Januar / Februar 2026
HafenCity Universität Hamburg
Vom Verfall zur Begegnung
Revitalisierung der Böllberger Mühle als Denkmal für die Öffentlichkeit
HafenCity Universität Hamburg
Master
15.05.2024
Städtebaulicher Entwurf | Urban Design | Prof. Dott. Arch. Paolo Fusi
Bauen im Bestand
Vectorworks, Rhinoceros 3D, Adobe Indesign, Adobe Photoshop, V-Ray
Die Böllberger Mühle in Halle an der Saale ist eine ehemalige Industriemühle, welche seit den 1970er-Jahren ungenutzt am Rande des Stadtgefüges steht. Ziel der Thesis ist, das Areal in seiner historischen Substanz zu bewahren und zugleich durch neue architektonische Interventionen für die Öffentlichkeit zu aktivieren.
Zentraler Ansatz ist die Entwicklung eines neuen Bautypus, der aus der vorhandenen Mühlenruine heraus abgeleitet wurde. Dieser wird mehrfach im Ensemble platziert, reagiert je nach Setzung auf seine direkte Umgebung und bildet zusammen mit den unterschiedlichen Bestandsbauten eine neue städtebauliche Gesamtstruktur. Es entstehen zwei klar definierte Plätze, welche durch eine zentrale Treppe verbunden werden.
Der zur Stadt ausgerichtete Quartiersplatz empfängt auf der oberen Ebene die Besucher und verbindet die historische Fabrikantenvilla mit dem Neubau des Gemeindehauses. Die Treppe hinunter folgt ein Dorfplatz, welcher als Zentrum des neuen Ensembles alle Nutzungen verbindet und die Mitte des Quartiers markiert.
Die neu hinzugefügten Baukörper nehmen unterschiedliche Nutzungen von Bibliothek, über ein Restaurant, bis zu Fitnessstudio und Jugendhaus auf, die in ihrer Vielfalt eine durchgehende Aktivierung der Plätze gewährleisten.
Die historischen Bauten erhalten kulturelle und öffentliche Nutzungen wie ein Museum in der historischen Mühle, ein Lebensmittelladen in der alten Ölmühle oder eine Kita in der Fabrikantenvilla. Auf diese Weise werden die öffentlichen Räume von allen Seiten bespielt und erhalten eine hohe Aufenthaltsqualität. Besucher vermischen sich mit Bewohnern und Angestellten und ein reges Treiben erinnert an vergangene Zeiten, in denen die Mühle ganz Deutschland mit Mehl belieferte.
Der respektvolle Umgang mit der denkmalgeschützten Bausubstanz bildet die Grundlage des Entwurfs. Die neuen Strukturen treten bewusst als eigenständige Architekturen in Erscheinung, die den historischen Bestand kontrastieren, ohne ihn zu überlagern. Die Neubauten schlagen subtile Brücken zum Bestand und fügen somit der Historie eine weitere Schicht hinzu, sodass der Charakter des Ortes erhalten bleibt, während gleichzeitig eine zeitgemäße Weiterentwicklung ermöglicht wird. Die ursprünglich für den Betrieb essentielle Nähe zum Wasser wird wieder erlebbar und die unterschiedlichen Ebenen auf natürliche Weise verbunden.
Das Projekt versteht sich als architektonische wie auch städtebauliche Intervention. Durch die Einführung eines neuen, speziell aus dem Bestand entwickelten Bautypus, die Ausbildung mehrerer Plätze und die programmatische Vielfalt der Baukörper wird die Böllberger Mühle aus ihrem jahrzehntelangen Stillstand herausgelöst und in einen aktiven Bestandteil des öffentlichen Lebens überführt.
Text von Stefanie Rathje, Tim Gippert.