Januar / Februar 2026
RPTU Kaiserslautern
Die Wertigkeit & Ästhetik des Imperfekten
Wiederverwendetes Baumaterial
RPTU Kaiserslautern
Master
17.10.2025
Tektonik im Holzbau, Jun.-Prof. Max Otto Zitzelsberger / Architektur und Stoffkreislauf, Jun.-Prof. Eva Stricker
Design Build
Rhino 8, Allplan 2024, Premiere Pro
Unsere Städte bestehen aus Schichten von Materialien, Geschichten und Überresten vergangener Bauwerke. Vieles davon wird achtlos entsorgt, sobald ein Gebäude nicht mehr gebraucht wird. Doch in einer Zeit wachsender Umweltprobleme, begrenzter Ressourcen und steigender Bauabfälle wird es immer wichtiger, den Blick für das zu schärfen, was bereits vorhanden ist. Urban Mining, das gezielte Rückgewinnen und Wiederverwenden von Baustoffen aus dem Bestand bietet einen alternativen Umgang mit Materialströmen und eröffnet neue Möglichkeiten für nachhaltiges Bauen.
Diese Arbeit setzt sich mit der Frage auseinander, welche gestalterischen Potenziale in gebrauchten Materialien stecken und wie deren ursprüngliche Funktion und Ästhetik hinterfragt und neu interpretiert werden können. Besonders interessiert mich dabei die Wertigkeit des scheinbar Wertlosen. Gebrauchsspuren, Abnutzung und Imperfektionen verleihen Materialien Charakter und erzählen von ihrer Geschichte. Anstatt diese Spuren zu verbergen, möchte ich sie in den Mittelpunkt stellen und gestalterisch nutzen.
Der Möbelbau dient mir in dieser Arbeit als experimenteller Maßstab, um handwerkliche, funktionale und ästhetische Möglichkeiten im Umgang mit recycelten Materialien zu erproben. Möbel sind greifbar, beweglich und nah am Menschen. Sie ermöglichen es, Materialität direkt zu erfahren und eine neue Beziehung zu vermeintlichem Abfall aufzubauen.
Durch die praktische Auseinandersetzung mit gesammelten Bauteilen aus dem urbanen Raum möchte ich die Verwandlung vom Reststoff zum wertvollen Entwurfsgegenstand sichtbar machen. Dabei geht es nicht nur um technische Wiederverwendung, sondern vor allem um die Frage:
wie Nachhaltigkeit durch Gestaltung erfahrbar und attraktiv werden kann.
Diese Arbeit ist eine Einladung. Genauer hinzusehen, umzudenken und den Blick, für die Ästhetik des Gebrauchten zu öffnen.
Text von David Oehme.