März / April 2026
Wach Wechsel
Umnutzung des ehemaligen Polizeipräsidiums in Frankfurt
Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Master
06.02.2025
Externe Betreuung durch Achim Söding
Bauen im Bestand
VectorWorks, Rhino, Blender
Das ehemalige Polizeipräsidium in Frankfurt am Main steht seit über zwanzig Jahren leer. Das Gelände liegt im Stadtteil Gallus an der Schnittstelle zwischen Bahnhofsviertel, Messe und Westend. Es ist ein städtebaulich komplexer Ort mit stark unterschiedlichen sozialen Strukturen.
Mit möglichst wenigen, aber gezielten Eingriffen sollte eine starke räumliche und funktionale Transformation erreicht werden.
Durch Teilabbrüche entstehen neue Wegebeziehungen, die Sackgassen auflösen und das Gelände mit der Umgebung verknüpfen.
Der Altbau bleibt erhalten. Durch Durchbrüche und Freistellungen wird dessen Funktion verändert. Das Konzept folgt der Laufweganalyse. Im Erdgeschoss des hinteren Anbaus entstehen flexible Einheiten für Kreative, Vereine oder Schulen. Der Bedarf dieser Nutzergruppen knüpft an frühere Zwischennutzungen an und wird im neuen Konzept bewusst wieder aufgenommen. Der bestehende, ursprünglich zur Zirkulation dienende alternierende Gang wird temporär geschottet und als Erweiterung der Einheiten integriert. Die Erschließung erfolgt künftig über neue Flure an den Bestandstreppen. Der Hof wird über zwei zusätzliche Treppen angeschlossen. Im Zentrum bleibt ein offener Hof erhalten, der als öffentlicher Treffpunkt für Flohmärkte, Sportveranstaltungen oder Open-Air-Kino genutzt werden kann. Diese verschiedenen Nutzungen tragen zur sozialen Integration des Areals in die Umgebung sowie zur Verknüpfung der umliegenden Viertel bei.
Der straßenseitige Gebäudeteil erhält vorerst keine spezifische Nutzung und kann als Büro genutzt werden. Im neueren Bestandsbau wird der ursprüngliche Mittelgang für die interne Erschließung sowie für die sanitären Räume der neuen Wohnungen genutzt. Ein Stahlgerüst, in das die Erschließungen der einzelnen Wohnungen, die Technik und die Balkone eingehängt sind, ergänzt den Bestand. Es gibt Wohnungen mit ein bis vier Zimmern, die sich über ein oder zwei Geschosse erstrecken. Der Gemeinschaftserker stärkt die Gemeinschaft und kann vielseitig genutzt werden. Um die Hochparterre-Gebäude ebenerdig zu erschließen, wird das Gelände topografisch angehoben. Elemente wie die alte Tankstelle oder Abschnitte der ehemaligen Schutzmauer bleiben sichtbar und verbinden Vergangenheit und Gegenwart.
Dieser Ort soll etwas Besonderes bleiben und die drei verschiedenen Viertel an dieser Stelle miteinander verbinden. In den letzten 20 Jahren haben die verschiedenen Nachnutzungen den Ort lebendig gemacht.
Das neue Gerüst kann von den unterschiedlichsten Nutzern bespielt werden und wird sich auch positiv auf die Umgebung auswirken. So entsteht ein räumlich und sozial vernetztes Quartier mit eigenem Charakter.
Text von Julian Laib.