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März / April 2026

Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart

(AT) Fabrik der Vielen

Transformation einer alten Lederhandschuhfabrik

von Anna-Elisa Lorber

Hochschule:

Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart

Abschluss:

Bachelor

Präsentation:

29.01.2026

Lehrstuhl:

Entwerfen und Transformation / Prof.in Bettina Kraus, AM Laura Bruder

Rubrik:

Industriebauten

Software:

VectorWorks, Rhino, Blender, Photoshop

In Thüringen prägen leerstehende Fabriken bis heute Stadtbilder und gesellschaftliche Selbstbilder. Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt, wie die Reaktivierung von industriellem Leerstand zu demokratischer Teilhabe, Aneignung und Vielstimmigkeit beitragen kann.



Entwurfsgegenstand ist die ehemalige Lederhandschuhfabrik Liebmann & Kiesewetter in Arnstadt. Der 1848 gegründete Betrieb war über Jahrzehnte ein bedeutender Arbeitsort, wurde zu DDR-Zeiten volkseigen und nach der Wende geschlossen. Das innenstadtnahe, blockinterne Ensemble besteht aus heterogenen Gebäuden unterschiedlicher Bauzeiten,
von denen große Teile leer stehen. Die Anlage befindet sich heute wieder in Familienbesitz; erste kulturelle Nutzungen wurden bereits initiiert.

Der Entwurf trägt einen Arbeitstitel, da er sich als prozesshafte Struktur versteht. Öffentliche, halböffentliche und private Nutzungen greifen ineinander und sind in Phasen organisiert. Zentrum ist der zentrale Hof. Das Kesselhaus wird zu einem nutzungsoffenen Raum, die Schleiferei zum Ruinengarten, der die denkmalgeschützte mittelalterliche Kemenate
freilegt. Das Handschuhmacher:innenhaus wird für Vermietung und Tanzschule ertüchtigt, die Gerberei zur Artist Residency mit Ateliers, Wohnen und Café. Ein Theater- und Veranstaltungssaal ergänzt das Ensemble.

Ein durchgängiges Entwurfsprinzip ist die klare Ablesbarkeit von Alt und Neu: Laubengänge aus verzinktem Stahl, sichtbare Stürze aus Beton, Deckenausschnitte und gemeinschaftliche Zentren strukturieren das Ensemble. Die Fabrik der Vielen versteht Architektur als politisches Handeln und als räumlichen Rahmen für Aushandlung, Teilhabe und gemeinschaftliche Nutzung.


Text von Anna-Elisa Lorber.