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März / April 2026

Berliner Hochschule für Technik

Aufgeplattet*

Tragwerk dreht sich, Nachbarschaft wächst: ein modulares Konzept weitergedacht zum Aufstocken und Verdichten

von Anna Kovandzic, Conrad Merkel

Hochschule:

Berliner Hochschule für Technik

Abschluss:

Master

Präsentation:

14.11.2025

Lehrstuhl:

Prof. Zeynep Ayse Hicsasmaz-Heitele und Prof. Hans-Christof Ernst

Rubrik:

Bauen im Bestand

Software:

ArchiCAD, Twinmotion, Magnific.AI und Adobe Photoshop/ Indesign

Die Masterthesis AUFGEPLATTET setzt sich mit der Wohnungsknappheit in Berlin auseinander, einem der drängendsten stadtpolitischen Themen angesichts wachsender Bevölkerung und steigender Mieten. Ziel der Arbeit ist es, aufzuzeigen, wie SERIELL vorgefertigte Module einen nachhaltigen Beitrag zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums leisten können. Ausgangspunkt bildet der in Ostberlin weit verbreitete Plattenbautyp WBS70, dessen großer Bestand ein bislang wenig genutztes Potenzial für nachträgliche Aufstockungen bietet.


Entwickelt wird ein modulares System, das eine effiziente und kostengünstige Aufstockung von Gebäuden ermöglicht und zugleich für Neubauten einsetzbar ist. Die Module basieren auf dem Tragwerksraster des WBS70 sowie auf gängigen Transportmaßen und messen 2 x 6 x 3,15 Meter. Sie werden in baustellennahen Vorfertigungshallen produziert und per Tieflader angeliefert. Sechs Module bilden einen typischen Grundriss, aus dessen variablen Kombinationen Wohnungstypen von 1-5 Zimmern entstehen. Damit reagiert das System flexibel auf unterschiedliche Lebens und Wohnformen.

Ergänzt werden die Wohnungen durch gemeinschaftlich nutzbare Bereiche über zwei Geschosse. Diese sind an die neue vertikale Erschließung angebunden und fördern nachbarschaftliche Begegnungen sowie sozialen Austausch. Der Entwurf versteht Wohnen somit nicht nur als quantitative Aufgabe, sondern auch als soziale und räumliche Fragestellung.

Die Arbeit basiert auf der Analyse von drei Berliner Grundstücken, zwei bestehende WBS70 Plattenbauten mit unterschiedlichen Grundrissstrukturen sowie eine innerstädtische Baulücke. Eines dieser Grundstücke wird exemplarisch vertieft bearbeitet. Der modulare Aufbau folgt dabei einem klaren Leitgedanken: kosteneffizient, flächeneffizient und qualitativ hochwertig. Der Wettbewerbsbeitrag beinhaltet die zwei Plattenbauten.

Konstruktiv besteht ein Modul aus zwei rechteckigen Rahmen, die als Boden und Deckenplatten fungieren. Die vertikale Lastabtragung erfolgt über Stützen in den äußeren Ecken sowie über eine zusätzliche, nach innen versetzte Stützenreihe. Diese reduziert die Spannweite der Decken, minimiert den Materialeinsatz und erhöht die Tragfähigkeit. Die entstehenden Nischen werden funktional als Einbaubereiche genutzt. Gleichzeitig übernehmen die Holzwerkstoffplatten der Stützenreihen die horizontale Aussteifung. Die Module sind statisch eigenständig, sodass bei Aufstockungen keine zusätzliche Aussteifung erforderlich ist. Die Wände werden in Holzrahmenbauweise ausgeführt und ermöglichen eine hohe Vorfertigungstiefe sowie eine nachhaltige Bauweise.

Mit AUFGEPLATTET leistet diese Arbeit einen konstruktiven Beitrag zur aktuellen Debatte um bezahlbares Wohnen. Auf Basis realistischer baulicher Szenarien wird gezeigt, wie der Bestand aktiv weiterentwickelt und neue urbane Potenziale erschlossen werden können.


Text von Anna Kovandzic, Conrad Merkel.