März / April 2026
HTWK Leipzig
Formen des Temporären
Zwischennutzung als strategisches Werkzeug urbaner Transformation
HTWK Leipzig
Master
10.02.2026
Prof. Dipl.-Ing. Frank Hülsmeier, Prof. Dipl.-Ing. Marina Stankovic
Experimentelle Entwürfe
Archicad, Photoshop, Nano Banana Pro
Diese Arbeit untersucht das Potenzial temporärer architektonischer Interventionen als Instrument urbaner Transformation. Am Beispiel einer Brachfläche in Leipzig, wird ein räumliches Konzept für eine kulturelle und gemeinschaftliche Zwischennutzung entwickelt, welches auf reversiblen und zirkulären Prinzipien basiert. Ziel ist es, temporäre Nutzung nicht als bloße Übergangslösung zu verstehen, sondern als strategisches Werkzeug zur Aktivierung stadträumlicher Potenziale.
Die Brachfläche „Am Adler“ liegt im Leipziger Südwesten, an einem stark frequentierten Verkehrsknotenpunkt. Trotz umfassender infrastruktureller Aufwertung wird der Ort überwiegend als Durchgangsraum wahrgenommen und weist nur eine geringe Aufenthaltsqualität auf. Über lange Zeit besaß die Fläche weder räumliche noch soziale Bedeutung für das Quartier. Erst mit dem Wegfall der vorherigen Nutzung eröffnete sich die Möglichkeit einer neuen Aneignung.
In diesem Kontext formierte sich eine lokale Initiative, die den Ort durch einfache temporäre Eingriffe aktivierte. Niedrigschwellige Nutzungen verwandelten die Brachfläche in einen informellen Nachbarschaftstreff und machten ihr bislang verborgenes Potenzial sichtbar. Diese Entwicklung bildet den Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit.
Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die Einbindung lokaler Akteur:innen.
Aus Gesprächen und Beteiligungsformaten entstand eine Sammlung von Nutzungsideen, die den Wunsch nach Offenheit, Teilhabe und gemeinschaftlicher Aneignung widerspiegelt. Auf dieser Grundlage wurde ein flexibles räumliches Konzept entwickelt, das unterschiedliche Bedürfnisse und Nutzungen aufnehmen kann.
Entwurfsleitend ist ein modulares Baukastenprinzip, das einfache, schnell umsetzbare und laiengerechte Strukturen ermöglicht. Als konstruktive Grundlage dienen standardisierte Modulgerüste, deren Wiederverwendbarkeit und zirkuläre Materiallogik den temporären Charakter der Zwischennutzung nicht nur technisch, sondern auch gestalterisch sichtbar machen.
Auf dieser Basis wurden acht Nutzungsszenarien entwickelt, die ein breites Spektrum möglicher Bespielungen abbilden. Sie zeigen exemplarisch, wie temporäre Architektur soziale Prozesse aktiviert, kollektive Räume schafft und Impulse für eine nachhaltige und gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung setzen kann.
Text von Christof Ritter.