Platz 2
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März / April 2026

Fachhochschule Potsdam

WHAT IF +++

Transformation durch Interpretation

von Sarah Acker, Daniel Hirschel

Hochschule:

Fachhochschule Potsdam

Abschluss:

Bachelor

Präsentation:

12.02.2026

Lehrstuhl:

Baukonstruktion und Entwerfen, Karl-Heinz Winkens

Rubrik:

Bildungsbauten

Software:

Vectorworks, Rhino, Nano Banana, Photoshop

Was wäre, wenn wir den Campus der TU Berlin nicht als starre Struktur begreifen, sondern als offenes Feld möglicher Transformationen?

Was wäre, wenn nicht das Neue im Vordergrund stünde, sondern das Weiterdenken, Ergänzen und Umdeuten des Bestehenden?

Unser Projekt versteht den Campus als Struktur, die weniger durch Addition als durch Interpretation weitergeschrieben werden muss. Bestehende Gebäude werden nicht ersetzt, sondern als Träger neuer Programme gelesen.

Aus der Überlagerung von Alt und Neu entstehen Potentiale zwischen Universität und Stadt.

Die Umnutzung des Mathematikgebäudes wird zum ersten Experimentierfeld. Wohnen, Gemeinschaft und Öffentlichkeit verschränken sich zu einer neuen Normalität auf dem Campus. Der Ort wird nicht nur belebt, sondern in seiner Bedeutung verschoben: vom funktionalen Lernort zum urbanen Lebensraum. Eine neue Alltäglichkeit entsteht – nicht behauptet, sondern durch die bloße Anwesenheit der Bewohner*innen.

Der sensible Umgang mit dem Bestand steht im Zentrum des Entwurfs. Minimalinvasive Eingriffe im Sockel erhalten den Charme, stärken die Infrastruktur und öffnen das Haus zur Öffentlichkeit. In den Regelgeschossen wird die neue Struktur aus vorhandenen Betonsteinen entwickelt, um den Charakter zu bewahren. Die Fassade wird erneuert, ohne ihr vertrautes Erscheinungsbild zu verlieren.

Die auf dem bestehenden Raster basierenden Wohnungen sind bewusst kompakt gehalten, um eine hohe Flächeneffizienz zu erreichen. Unterschiedliche Wohnungstypen reagieren auf verschiedene Bedürfnisse und bieten Familien wie WGs passenden Raum. Die Einzimmerwohnungen gliedern sich in drei Zonen: Von der Eingangszone führt eine funktionale Nasszone, die trennt und verbindet, in den Wohn- und Schlafbereich.

Die Umnutzung des Mathematikgebäudes agiert als respektvolles Experiment. Die technische Logik des Bestands wird nicht verworfen, sondern weitergedacht. Der Passivhaus-Gedanke bleibt erhalten, manifestiert sich jedoch neu: PV-Module ersetzen die Brüstungen, die Fassade wird zum Kraftwerk.

Bereits im ursprünglichen Entwurf von Georg Kohlmaier und Barna von Sartory stand die Sonne im Mittelpunkt der architektonischen Überlegungen. Daran knüpft der Entwurf an, führt diese Haltung zeitgemäß fort und bewahrt das Erscheinungsbild.

Gleichzeitig richtet sich der Blick auf die Ränder des Campus – auf Orte, die präsent, aber kaum wahrgenommen sind. Die Architekturbibliothek am Ernst-Reuter-Platz wird zum Ausgangspunkt einer weiteren Frage: Was wäre, wenn hier ein Hochhaus entstünde? Was würde das für Ort, Stadtraum und Scharouns Erbe bedeuten?

Der Entwurf formuliert keine abschließenden Antworten. Er beschäftigt sich mit dem, was ist, und dem, was entstehen kann. Das Projekt versteht sich als architektonischer Diskursraum, in dem das Mögliche neben dem Realen existiert – und das Fragende zum Entwurfsinstrument wird.

Als klare Adressierung der TU Berlin rückt der Entwurf das Wissen ins Zentrum. Der Scharoun fungiert als Archiv und Fundament.


Text von Sarah Acker und Daniel Hirschel.