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März / April 2026

Technische Hochschule Nürnberg

Open Source

Strategie für einen inklusiven Bildungs- und Gemeinschaftsort in Nürnberg

von Nicola Warncke

Hochschule:

Technische Hochschule Nürnberg

Abschluss:

Master

Präsentation:

10.02.2026

Lehrstuhl:

Städtebauliches Entwerfen und Stadtentwicklung | Prof. Ingrid Burgstaller, Xiaotian Li

Rubrik:

Freizeit- und Sportbauten

Software:

Illustrator, InDesign, Lightroom, QGIS, Rhino 3D, ArchiCAD, Excel

Städte sind mehr als gebaute Infrastruktur; sie sind die physische Manifestation gesellschaftlichen Zusammenlebens. Historisch bildeten öffentlich zugängliche Innenräume das Rückgrat urbaner Interaktion – als Orte der informellen Bildung, des Diskurses und der sozialen Verhandlung. Doch in der post-digitalen Stadt erodiert dieser Status grundlegend. Durch Privatisierungsprozesse und veränderte Konsumkulturen verschieben sich diese Räume in hybride, konsumgebundene Umgebungen. Die Folgen treffen besonders jene, deren Teilhabe strukturell erschwert ist: Menschen mit geringem Einkommen, Jugendliche oder neu Zugewanderte ohne eigenen Rückzugsraum.


Die Analyse: Kartierung der „Kostenlosen Stadt“ Bevor eine architektonische Strategie entwickelt werden kann, bedarf es einer empirischen Bestandsaufnahme des Vorhandenen. In dieser Arbeit wurde ein umfassender Katalog öffentlicher Innenräume in Nürnberg erstellt. Methodisch an Vorbildern zur „kostenlosen Stadt“ orientiert, zeigt die Recherche eine massive Diskrepanz auf: Während kommerzielle Flächen omnipräsent sind, fehlen offene, multifunktionale Innenräume ohne Konsumzwang. Die Analyse der Öffnungszeiten offenbart zudem ein „zeitliches Schloss“: Während das Leben in der Stadt 168 Stunden pro Woche pulsiert, sind öffentliche Bildungs- und Jugendorte oft nur für einen Bruchteil dieser Zeit zugänglich.


Die Theorie: Non-commercial Third Places Um diesem Verlust entgegenzuwirken, bedarf es „Dritter Orte“ im Sinne Ray Oldenburgs, die jedoch radikal neu interpretiert werden müssen. Die heutige ökonomische Realität fordert eine Weiterentwicklung hin zu non-commercial Third Places. Ein inklusiver Bildungs- und Gemeinschaftsort muss sich daran messen lassen, ob er auch vulnerablen Gruppen eine aktive Aneignung des Raumes ermöglicht, statt sie durch defensive Architektur oder Hausrechte auszuschließen. Es geht um das „Recht auf Stadt“ – die Verteilungsfrage, wem der Innenraum gehört.


Der Entwurf: Architektur als Open Source Die Arbeit übersetzt den „Open Source“-Gedanken ins Bauliche. Am Beispiel eines typischen, monofunktionalen Einzelhandelsstandorts in der Nürnberger Südstadt wird eine architektonische Antwort formuliert. Der Bestand wird nicht abgerissen, sondern angeeignet und neu programmiert. Der Konsumort wird um konsumfreie Räume für Bildung, Nachbarschaft und Kreativität ergänzt und durchlässig gemacht.


Das Gebäude fungiert als Gemeingut (Commons), dessen Nutzung durch die Gemeinschaft ständig neu verhandelt werden kann. Die Architektur liefert hierfür die robuste Hardware: flexible Raumschichten, niedrigschwellige Zugangszonen und atmosphärische Aufenthaltsqualitäten. Ziel ist die Schaffung einer sozialen Infrastruktur genau dort, wo sie am dringendsten benötigt wird – mitten im Alltäglichen.


Text von Nicola Warncke.