März / April 2026
Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg
DenkmalWERK
Vom Bahnbetriebswerk zur Denkmal-Schmiede
Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg
Master
25.09.2025
Entwerfen und Bauen im Bestand - Prof. Per Pedersen
Bauen im Bestand
Archicad, D5 Render, Indesign, Photoshop
Die Revitalisierung industrieller Erbe-Bauten erfordert mehr als eine rein konservatorische Haltung. Am Beispiel des ehemaligen Rangierbahnhofs Pankow-Heinersdorf verfolgt der Entwurf DenkmalWERK einen typologischen Ansatz: Denkmalpflege wird hier als die Weiterschreibung funktionaler Logiken verstanden. Anstatt die historische Hülle lediglich als Kulisse zu nutzen, werden die immanenten technischen Parameter des Standorts in ein zeitgemäßes Nutzungskonzept für ein Ausbildungszentrum für denkmalgerechte Sanierung überführt.
Das Projekt bricht mit der starren Trennung von Erhalt und Nutzung. Das Herzstück bilden der Ring- und der Rundlokschuppen, deren räumliche Disposition konsequent genutzt wird. Das gewählte Box-in-Box-Prinzip agiert als reversible, minimalinvasive Intervention. Diese modularen Einbauten aus Metallständerwerk und wiederverwendetem Reichsziegel-Mauerwerk respektieren das Primärtragwerk und lassen die charakteristische Schwindlerkuppel sowie das großzügige Hallenvolumen räumlich ungestört.
Die architektonische Qualität des Entwurfs manifestiert sich in der funktionalen Reinterpretation der Bahninfrastruktur: Die ursprüngliche Logistik des Ortes wird zum konstituierenden Element des neuen Betriebs. Die historischen Schienenstränge innerhalb der Werkstattbereiche werden reaktiviert; mittels eines draisinen-basierten Transportsystems wird der Materialfluss für großformatige Restaurierungsobjekte organisiert und das flexible Arbeiten im Innen- und Außenraum ermöglicht. Damit wird die industrielle Vergangenheit nicht musealisiert, sondern als funktionaler Mehrwert in den Werkstattalltag integriert. Analog dazu erfahren die Revisionsgruben eine räumliche Umdeutung: Im Rundlokschuppen dienen sie als abgesenkte Erschließungszonen und bilden die strukturelle Basis für die Verortung neuer Nutzungen.
Ein ergänzendes Wohnheim für Auszubildende und Studierende besetzt die ehemaligen Gleistrassen und übersetzt deren lineare Dynamik in einen modularen Holzskelettbau.
Durch die Synergie von Materialauthentizität, Rückbaubarkeit und der konsequenten Nutzung des Bestands als aktives Lehrmittel entsteht ein Modellprojekt für nachhaltige Stadtentwicklung. DenkmalWERK zeigt, dass die Identität eines Ortes in der Fortführung seiner produktiven Logik liegt - Architektur wird hier zum Bindeglied zwischen handwerklicher Tradition und zukunftsfähiger Transformation.
Text von Luise Schmechel.