März / April 2026
RWTH Aachen
Misch mal mehr.
Transformation von Plattenbauten
RWTH Aachen
Master
19.02.2026
Lehrstuhl für Gebäudelehre und Grundlagen des Entwerfens
Wohnbauten
Archicad, Photoshop, Indesign
Der Begriff „inklusiv" prägt maßgeblich den heutigen Wohnungsbaumarkt. Kein Wohnungsbauprojekt kann sich der Frage nach inklusivem Wohnen verschließen. Aber was bedeutet dieser Begriff eigentlich und ab wann kann ein Projekt als inklusiv bezeichnet werden?
Im Rahmen dieser Masterthesis wird untersucht, welche Faktoren ein gemeinschaftliches Miteinander beeinflussen und welche räumlich-architektonischen Anforderungen erfüllt sein müssen, um ein solches Wohnumfeld zu schaffen. Hierfür wird im Ersten Teil der Arbeit eine umfangreiche Analyse von Referenzprojekten durchgeführt, welche als Grundlage für die Entwicklung eines gemeinschaftlichen Wohnkonzeptes herangezogen wird. Die ausgewählten Referenzen sollen eine Variabilität an Wohnprojekten für Personengruppen mit besonderen Bedürfnissen widerspiegeln.
Im Weiteren wird in dieser Masterarbeit das entwickelte Konzept in unterschiedlichen Bestandsgebäuden erprobt und die Umsetzbarkeit getestet. Hierfür werden im Zweiten Teil der Arbeit die drei ausgewählten Gebäude hinsichtlich ihrer Bauweise, Konstruktion und Funktion untersucht, sowie die jeweiligen städtebaulichen Kontexte betrachtet.
Schließlich befasst sich der Dritte Teil dieser Arbeit mit der Zusammenbringung der beiden Analysen von Wohnfunktionen und Bestand. Dafür wurden zunächst drei personengruppenunabhängige Wohnformen entwickelt, die sich entlang einer Staffelung von öffentlichen zu privaten Zonen organisieren und über einen hofseitigen Laubengang erschlossen werden. Als verbindendes Element zwischen diesen Wohnformen wird die Kategorie des Mischraums eingeführt. Mischräume sind für alle Bewohner*innen, unabhängig von Wohnform und Betreuungsbedarf, zugänglich und nehmen unterschiedliche Funktionen auf. Sie fungieren als Zwischenebene zwischen den Gemeinschaftsräumen der einzelnen Wohnung und den Räumen der Gesamtanlage. Ihre Anzahl wird anhand eines aus den Referenzprojekten abgeleiteten Schlüssels in Abhängigkeit zur Bewohner*innenzahl berechnet. Die Erprobung an drei Bestandsgebäuden unterschiedlicher Größe und städtebaulicher Lage zeigt, dass das Konzept skalierbar ist. Die Mischrä ume werden dabei jeweils vertikal entlang der Bestandstreppenhäuser angeordnet und durch bauliche Eingriffe, wie Öffnung des Treppenraums, Polycarbonatfassaden und aufgeweitete Laubengangbereiche, räumlich erfahrbar gemacht. Die Varietät der einzelnen Mischräume wird anhand von selbstgewählten Szenarien in sechs unterschiedlichen Raumentwürfen aufgezeigt. Diese entwickeln sich stark aus ihrer jeweiligen Nutzung heraus.
Die Arbeit soll zeigen, wie unterschiedliche Gruppen und spezifische Wohnformen sinnvoll miteinander gemischt werden können, sodass eine Gemeinschaft mit vielfältigen Synergien entsteht. Die Mischräume sind dabei als konstantes Element zu verstehen, das unabhängig von Projektgröße und Wohnform zwischen Individuum, Gemeinschaft, Anlage und Personal vermittelt und so ein inklusives, durchmischtes Wohnumfeld im Plattenbaubestand ermöglicht.
Text von Katharina Klöters und Thessa Pillen.