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November / Dezember 2025

Hochschule Düsseldorf

Umbau statt Abriss

Transformation eines 70er-Jahre Verwaltungsbaus

von Marie Müller

Hochschule:

Hochschule Düsseldorf

Abschluss:

Master

Präsentation:

25.06.2025

Lehrstuhl:

Prof. Dipl. -Ing. Wolfgang Zeh, Prof. Dennis Mueller

Rubrik:

Bauen im Bestand

Software:

Vectorworks, Rhino, Adobe Creative Suite

Unter dem Titel "Umbau statt Abriss" befasst sich diese Arbeit mit der Transformation eines 70er Jahre Verwaltungsbaus mitten in Düsseldorf. Das eins monofunktional genutzte und mittlerweile leerstehende Gebäude wird in einen urbanen Baustein mit Wohn-, Gemeinschafts-, sowie Gewerbenutzung umgewandelt.

Das Projekt ist ein Plädoyer für das kluge Weiterbauen und Umnutzen und stellt sich gegen die Mentalität des Abreißen und Neubauens. Es geht um die Förderung eines gemeinschaftlichen Miteinanders und um die Frage, wie bestehende Flächenbedarfe - etwa nach innerstädtischem, bezahlbarem Wohnen - im Bestand gedeckt werden können.

Der Fokus liegt auf Verwaltungsgebäuden der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die vielfach unser gegenwärtiges Stadtbild prägen. Heute stehen diese Gebäude oft im Zentrum architektonischer Debatten, da sie aufgrund baulicher Mängel, energetischer Ineffizienz oder veränderterer ästhetischer Ansprüche vermehrt abgerissen werden. Dabei könnte die öffentliche Hand gerade hier mit gutem Beispiel vorangehen und ihr selbstgestecktes Ziel der Klimaneutralität verfolgen, indem sie diese Gebäude erhält, saniert und als Raumressource mit Transformationspotenzial versteht.

Das ehemalige Finanzamt hat sich in dieser Arbeit als bemerkenswert anpassungsfähig erwiesen. Durch gezielte architektonische Eingriffe wie die vorgestellte Laubengangkonstruktion oder präzise Subtraktionen konnte der Bestand in eine neue, vielfältige und urbane Nutzung überführt werden.

Der neue Riegel fasst den Raum Richtung Bahntrasse, macht ihn nutzbar und definiert einen neuen Zwischenraum. Als Baukörper, der mehr als eine Schallschutzwand ist, bildet er das Rückgrat eines offenen, resilienten Stadtraums. Er geht eine enge, spannungsreiche Beziehung zum Bestand ein und zeigt, wie ein Neubau nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich ergänzt und trotzdem Mehrwert schafft.

Zentral für den Entwurf war das Prinzip der Flexibilität. In den Grundrissen, der Konstruktion, in der Art, wie Räume gedacht und verbunden werden. Der Entwurf bietet Möglichkeitsräume, robust in der Struktur, offen in der Nutzung. So ist diese These auch ein Plädoyer für den Bestand, nicht als fertige Größe, die unveränderlich ist, sondern als aktiver Teil der Zukunft. Der Umbau wird zur architektonischen und gesellschaftlichen Strategie, um Stadt nicht neu zu erfinden, sondern weiterzudenken und vorhandene Strukturen als Teil eines langfristigen offenen Transformationsprozesses zu begreifen.

Die Notwendigkeit des Umdenkens erstreckt sich dabei nicht nur über die Gebäude selbst, sondern auch über Konstruktionsprinzipien. Im Zuge einer technischen Vertiefung wurde ein Bauteilkatalog erstellt, der die Einzelteile des Bestands untersucht und auf Wiederverwendbarkeit überprüft. Bei den neu ergänzten Bauteilen wurde auf kreislaufgerechte Materialien sowie sortenreine Fügungstechniken gesetzt.

Text von Marie Müller.