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November / Dezember 2025

Leibniz Universität Hannover

Feierabend

Wohnen und Arbeiten in obsoleten Bürostrukturen

von Luisa Austermeier, Lorenz Behrendt

Hochschule:

Leibniz Universität Hannover

Abschluss:

Master

Präsentation:

15.07.2025

Lehrstuhl:

Institut für Entwerfen und Gebäudelehre, Abteilung Entwerfen und Ressourcen, Prof. André Kempe

Rubrik:

Bauen im Bestand

Software:

Archicad, InDesign, D5 Render, Photoshop, Illustrator, Excel

Das Arbeiten wandelt sich - und damit auch das Verhältnis zwischen Privat- und Arbeitsleben. In der globalisierten Wirtschaftsordnung, mit dem Internet als instantaner Plattform, spielt der geografische Ort der Arbeitenden nur noch eine untergeordnete Rolle. Die Grenzen zwischen Freizeit und Erwerbsarbeit verschwimmen zunehmend. Der Arbeitsplatz wird dezentralisiert und immer häufiger an den eigenen Wohnraum angegliedert; der zweite Ort verschwindet. In der Folge dieser tiefgreifenden Neuordnungen findet eine umfassende Transformation der Wohn- und Arbeitsorte statt.

In der Abschlussarbeit werden theoretische Ansätze zunächst räumlich-prototypisch untersucht. Aus der Analyse der Chancen und Risiken der dezentralen Arbeit entwickelt sich eine Typologie, die gemeinsam mit den theoretischen Überlegungen in der Transformation eines Versuchsobjekts zusammengeführt und weiterentwickelt wird.

Aufgrund unterschiedlicher Präferenzen in der Ausgestaltung von Arbeits- und Wohnumgebungen sollte das kollektive Workhome individuelle und veränderbare Relationen zwischen Wohnen und Arbeiten ermöglichen. Erfolg und Zufriedenheit im Remote Work hängen stark von der wirtschaftlichen und sozialen Ausgangslage ab; eine kollektive Flächennutzung schafft für alle Nutzenden gleichwertige Voraussetzungen. Durch die gesteigerte Flächeneffizienz können Räume entstehen, die für Einzelne nicht realisierbar wären. Zugleich sollte das kollektive Workhome angesichts des Bedeutungsverlusts traditioneller Familienstrukturen, der fehlenden Sozialisierung im Berufsumfeld und der Gefahr sozialer Isolation die Bildung neuer Gemeinschaften fördern.

Das Versuchsobjekt am Köbelinger Markt ist seit Jahren von der Verheißung eines baldigen Abrisses begleitet. Der Bau von 1963 liegt in der Innenstadt Hannovers zwischen Marktkirche und neuem Rathaus. Im Entwurf erhält die in Bauzeit, Volumen und Erscheinung heterogene Umgebung durch eine beruhigte Großform einen architektonischen Anker; die Allseitigkeit vermittelt zwischen den unterschiedlichen angrenzenden Situationen. Das Bestandsgebäude mit seiner teils suburbanen Anmutung wird deutlich nachverdichtet: Die niedrigen Gebäudeteile werden um zwei Geschosse ergänzt, und die offene Hufeisenform wird durch einen Anbau geschlossen. So entsteht ein leistungsfähiger Typus, der innerstädtisches Wohnen ermöglicht. Nach außen kann das Gebäude seiner Rolle als schweres städtisches Haus gerecht werden, während es sich nach innen zu individuellen Außenräumen um den grünen Hof öffnet.

Der Entwurf erprobt eine Strategie zur Verbindung von Wohnen und Arbeiten. Dafür wird das Gebäude mit einer Vielzahl unterschiedlicher Situationen und Möglichkeiten des Arbeitens durchsetzt, die sich mit der Wohnnutzung verschränken. Es reagiert mit Flexibilität, Neutralität und Großzügigkeit auf die ungewissen Veränderungen der Arbeits- und Wohnwelt.

Text von Luisa Austermeier und Lorenz Behrendt.