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November / Dezember 2025

Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

Amen & Aus?

Wie kirchliche Ausstattung ein zweites Leben bekommt

von Tim Altmann

Hochschule:

Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

Abschluss:

Bachelor

Präsentation:

19.09.2025

Lehrstuhl:

Bauen im Bestand Professor Per Pedersen

Rubrik:

Sakralbauten

Software:

ArchiCad, InDesign

Die St.-Paulus-Kirche ist wie viele Kirchen in Deutschland wegen schrumpfender Glaubensgemeinden von der Entsakralisierung betroffen. Aber was geschieht mit kirchlichen Kultur- und Kunstgegenständen wie Altären oder Glocken die sich darin befanden? St. Paulus soll darauf eine Antwort geben: Im Herzen Harburgs entsteht ein Museum mit Showdepot, das sich dieser Objekte annimmt und sie als Teil kollektiver Erinnerung bewahrt.

Die Gegenstände erhalten nicht nur ein neues Zuhause, Heimsfeld gewinnt auch einen dringend benötigten Kulturbaustein. Zusammen mit einem neu gestalteten Platz bildet das Museum ein neues Zentrum des Stadtteils. Der Platz bleibt weiterhin für Demonstrationen nutzbar, wird an anderer Stelle entsiegelt und um Grünflächen ergänzt. Eine Liegewiese und vielfältige Aufenthaltsmöglichkeiten sollen den Ort beleben.

Zum Museum gehören auch ein Seminarraum und ein Café, die aufgrund des lokalen Bedarfs auch als Veranstaltungsraum für die Gemeinde genutzt werden können. Gleichzeitig bleibt ein Teil der Kirche als Kapelle erhalten, um Gläubigen einen Ort des stillen Gebets zu bieten.

Der Neubau dockt auf der linken Seite der Kirche an, wo mehr Grundstücksfläche zur Verfügung steht, und folgt der leicht schräg verlaufenden Straßenflucht. Das hangartige Gelände wird durch einen massiven Sockel ausgeglichen, der an eine mittelalterliche Mauer erinnert. In seiner Gliederung nimmt der Anbau Bezug auf die Kirche und teilt sich in vier von ihr abgehende Schiffe.

Als Erweiterung der Kirche greift der Neubau gotische Elemente auf, etwa zeitgenössisch interpretierte Wasserspeier. Die Fassade besteht aus wiederverwendetem Mauerwerk, ergänzt durch helles Holz und Messing. Die Kapelle ist weiterhin über den ehemaligen Haupteingang am Turm zugänglich, während das Museum eine neue Adresse im Neubau erhält, markiert durch einen kleinen Platz mit Brunnen. Auffälliges Detail sind Türgriffe in Form von Adam und Eva, die sowohl auf den Sündenfall als auch den menschlichen Wissensdrang verweisen - eine Verbindung von Religion und Museum.

Im Inneren bleibt die neugotische Kirchensubstanz sichtbar; Durchbrüche in bestehenden Nischen verbinden Alt- und Neubau. Das Holzmaterial des Anbaus setzt sich in den Ausstellungs-Einbauten des Altbaus fort. Prägend ist das zweistöckige, begehbare Regal, das zahlreiche liturgische Objekte präsentiert. Dieses Regalmotiv findet sich auch im Foyer sowie als transparente Trennung zwischen Depot und Treppenhaus wieder und ermöglicht Einblicke in Sammlung und Museumsalltag.

Text von Tim Altmann.