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November / Dezember 2025

Frankfurt University of Applied Sciences

Stadtlehre statt Leere

Temporärer Campusbau an der Bildungsmeile Frankfurt

von Julius von Kymmel

Hochschule:

Frankfurt University of Applied Sciences

Abschluss:

Bachelor

Präsentation:

29.07.2025

Lehrstuhl:

Lehrstuhl für Entwerfen | Prof. Stefanie Eberding, Prof. Joris Fach

Rubrik:

Bildungsbauten

Software:

ArchiCAD, Photoshop, Procreate

Diese Arbeit entwickelt einen Ansatz für einen temporären Campus im Zentrum der Frankfurter Campusmeile. Der Entwurf versteht das Grundstück zwischen Goethe-Universität, Frankfurt School und UAS nicht als Ort für einen endgültigen Bau, sondern als offenen Raum, der durch Veränderung, Aneignung und gemeinschaftliche Nutzung definiert wird. Der Campus wird damit zu einem Experimentierfeld, in dem Architektur nicht als fertiges Objekt, sondern als prozesshaftes System verstanden wird - ein Raum, der wächst, sich zurücknimmt und sich immer wieder neu formt.

Aus der Brachfläche entsteht eine Parklandschaft, die Schatten, Durchlüftung und Regenrückhalt integriert. Urban Gardening und gemeinschaftliche Freiräume schaffen ökologische und soziale Übergangszonen. Bestehende Gebäude wie der Bertramshof und das Gebäude 9 der UAS werden eingebunden und erweitern den Campus über seine eigentliche Fläche hinaus. Der Campus der Lehrstadt wird so zu einem offenen Netz, das Stadt und Bildung miteinander verschränkt.

Das räumliche Rückgrat bildet ein leichtes, schwebendes Dach, getragen von schlanken Stützen und einem modularen Mero-M12-Raumfachwerk. Es überspannt das Gelände, ohne es zu schließen, und erzeugt einen großzügigen Zwischenraum: geschützt, aber offen für Wind, Licht und Bewegung. Die Dachflächen basieren auf einem modularen Tray-System, das Drainage, Substrat und mobile Begrünung umfasst. Begehbare Stege aus Winkelprofilen fügen sich als Höhenebene ein und eröffnen neue Blick- und Bewegungsachsen.

Im Zentrum steht der Baukasten - ein reduziertes System aus Gerüstmodulen, steckbaren Polycarbonatplatten, Textilien und einfachen Holzelementen. Er fungiert als Werkzeug für Aneignung und ermöglicht flexible Boxen und Möbel, die Studierende selbst zusammenstellen und verändern können. Mit wenigen Handgriffen entstehen Arbeitsplätze, Regale, Sitzmodule oder Zwischenräume für Workshops und Austausch. Die Architektur schreibt keine Nutzung fest; sie ermöglicht Situationen.

Die ersten Bauten, zwei modulare Interims-Hallen, bündeln Werkstatt, Lernen und informelle Begegnung. Beide Strukturen bestehen aus reversiblen Systemen: Stelcon-Platten als Grundlage, darüber ein Doppelboden, leichte Wandmodule, textile Raumtrennungen. Die Hallen können erweitert, zurückgebaut oder an anderen Orten wieder aufgebaut werden. Temporarität wird hier nicht als Einschränkung verstanden, sondern als Qualität - als Offenheit gegenüber dem, was sich verändert.

Der Entwurf zielt nicht auf einen abschließenden Zustand, sondern auf ein kontinuierliches Werden. Der temporäre Campus ist ein Raum, der Stadtklima, Lernkultur und soziale Dynamiken aufnimmt und darauf reagiert. Er versteht Architektur als Angebot: leicht, beweglich, rückbaubar und immer in Beziehung zu seiner Umgebung. Was entsteht, ist kein klassischer Campus, sondern ein lebendiger Parkraum, der zeigt, wie Bildung, Stadt und Natur in flexibler Koexistenz miteinander verbunden werden können.

Text von Julius von Kymmel.