Platz 3
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November / Dezember 2025

Berliner Hochschule für Technik

Von A bis E

Halle Neustadt

von Jonah Adib, Vincent Egbert

Hochschule:

Berliner Hochschule für Technik

Abschluss:

Bachelor

Präsentation:

26.03.2025

Lehrstuhl:

Prof. Dipl.-Ing. Matthias Haber, Prof. Dr. Eva Maria Froschauer, Prof. Dipl.-Ing. Petra Vondenhof-Anderhalten

Rubrik:

Wohnbauten

Software:

Archicad, Illustrator, D5

Ein zentrales Element unseres Entwurfs war die frühzeitige Einbindung der Bewohner:innen, um die Nutzungsperspektiven und Bedürfnisse verschiedener Generationen zu erfassen. Im Rahmen von Workshops und Umfragen, unter anderem anlässlich des 60. Jahrestags Halle-Neustadts, konnten Bewohner:innen ihre Zufriedenheit und Wünsche in Bezug auf Architektur und öffentlichen Raum äußern. Diese partizipative Analyse lieferte wichtige Erkenntnisse darüber, welche Bereiche besonders geschätzt werden, welche Herausforderungen bestehen und wie die Gestaltung des Bestands die Identifikation mit dem Wohnort beeinflusst. Die gewonnenen Einsichten flossen direkt in die räumliche und funktionale Konzeption des Projekts ein.

Halle-Neustadt steht exemplarisch für die Planungsprinzipien und Herausforderungen des sozialistischen Städtebaus: In den 1960er Jahren als Modellstadt für die Chemieindustrie entwickelt, sollten großflächige Plattenbauweise, funktionale Trennung von Lebensbereichen und zentral geplante Stadtteilzentren Wohnraum und gesellschaftliche Ideale gleichermaßen abbilden. Politische und wirtschaftliche Umbrüche nach 1990 sowie der Strukturwandel führten zu neuen Anforderungen, die bis heute spürbar sind. Das Stadtteilzentrum, als identitätsstiftendes Element geplant, ist ein besonders prägnanter Bezugspunkt in der aktuellen Debatte um die städtische Entwicklung.

Unser Entwurf verfolgt einen minimalinvasiven Umgang mit dem Bestand, der auf behutsame Transformation und die Nutzung vorhandener Qualitäten setzt. Die Schottenbauweise der Hochhausscheiben bietet eine klare und strukturierte Grundrissorganisation, die sich für den Einsatz serieller, vorgefertigter Bauteile eignet und eine effiziente sowie nachhaltige Umsetzung von Umbauten ermöglicht. Unter dem Konzept "Break the Floor" wurden die linearen Erschließungsflächen in kürzere Abschnitte gegliedert, wodurch Aufenthalts- und Gemeinschaftsbereiche entstehen, die den Bestand funktional erweitern.

Die bislang ungenutzten Freigeschosse werden als räumliche Ressource aktiviert und für flexible Arbeits- und Ateliernutzungen geöffnet. Modular einteilbare Bereiche ermöglichen unterschiedliche Nutzungsformen von Einzel- bis Gruppenarbeit und schaffen eine produktive Mischung aus Arbeits-, Werk- und Kommunikationsbereichen.

In der Verbindung von partizipativer Analyse, minimalinvasiver Transformation und flexibler Raumnutzung entsteht ein Entwurf, der bestehende Strukturen respektiert, soziale Interaktion fördert und die Hochhausscheiben zu einem langfristig relevanten Stadtbaustein in Halle-Neustadt macht.

Text von Jonah Adib und Vincent Egbert.