März / April 2025
Technische Universität Berlin
Trepp auf, Trepp ein
Eine neue Nutzung für das Baerwaldbad in Berlin Kreuzberg.
Technische Universität Berlin
Bachelor
19.02.2025
AIC - Architektur und innovative Baukonstruktion, Nicole Kerstin Berganski
Kulturbauten
Archicad, Rhino, Illustrator, Photoshop
Denkmalschutz hat zum Ziel, historische Bauten im Originalzustand zu erhalten. Dieses Ziel steht jedoch häufig im Konflikt mit modernen Anforderungen und erhöht den Aufwand von Instandsetzungsmaßnahmen. Diese Denkmalschutzphilosophie macht eine Sanierung von Baudenkmälern oft unattraktiv, da der zu erwartende Nutzen einer Sanierung in keinem Verhältnis zum Aufwand steht. Dies führt paradoxerweise häufig dazu, dass Baudenkmäler ungenutzt und unsaniert bleiben.
Unsere Bachelorthesis zeigt einen alternativen Ansatz, der den Charakter des Gebäudes bewahrt, aber mutige, pragmatische Änderungen zulässt. Wir zeigen, wie ein historisches Schwimmbad mit minimalem Aufwand als barrierefreies Jugendzentrum genutzt werden kann. Gleichzeitig bleibt der größte Teil im bauzeitlichen Zustand.
Das Baerwaldbad in Friedrichshain-Kreuzberg wurde zwischen 1898 und 1901 von Ludwig Hoffmann als Volksbadeanstalt erbaut. Es diente lange als wichtiger Ort für Hygiene und Erholung. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Gebäude schwere Schäden, der Erweiterungsteil wurde weitgehend zerstört. Erst 1951 entstand er wieder, wobei die Fassade originalgetreu rekonstruiert wurde, während das Innere im Stil der 1950er Jahre gestaltet wurde. Seit 2017 stehen beide Schwimmhallen wegen Sanierungsbedarf leer. Eine Machbarkeitsstudie des Bezirksamts hat einen hohen Bedarf an sozialen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche festgestellt und strebt daher eine Umnutzung des Gebäudes an. Eine Nutzung als Schwimmbad ist derzeit nicht realisierbar.
Die größte Herausforderung für eine moderne Nutzung des Baerwaldbads ist die Zugänglichkeit. Beim Wiederaufbau entstand ein verschachteltes Wegekonzept, welches die Orientierung erschwert. Der eingebaute Aufzug ist nicht barrierefrei, die beiden Schwimmhallen haben unterschiedliche Geschosshöhen.
Unser Entwurf ist einfach: Während der größte Teil des Gebäudes im Originalzustand verbleibt, wird das Haupttreppenhaus vollständig durch eine Außentreppe ersetzt.
Das neue Erschließungskonzept sorgt für bessere Orientierung und kürzere Wege. Die klassizistische Fassade wird aufgebrochen. Statt eines schwer zugänglichen, verschachtelten Gebäudes entsteht eine offene Struktur, die Bewegung und Begegnung ermöglicht. Die neue Treppe ermöglicht einen direkten Zugang zur hinteren Blockreihe, wo sich die Bürgermeister-Herz-Grundschule befindet. Die klare Wegeführung macht das Jugendzentrum barrierefrei. Da die Schwimmhallen unterschiedliche Bodenhöhen haben, entsteht ein Versprung, der kreativ genutzt wird: Im Erdgeschoss z. B. als Sitzstufenlandschaft für das Café. Abgeschlossen wird die Außentreppe mit einer großen Sitztreppe mit Blick auf den Park. Die offene Außentreppe ist so nicht nur Zugang, sondern auch sozialer Treffpunkt und eine einladende Geste.
Unser Konzept ermöglicht die zeitgemäße Nutzung des Baerwaldbades mit minimalem Aufwand. Da große Teile des Gebäudes im Originalzustand verbleiben, bleibt eine erneute Nutzung als Schwimmbad offen.
Text von Matilda Hosemann und Nesma Großmann.