März / April 2025
Universität Stuttgart
Revitalisierung der Klosterruine zum Heiligen Kreuz in Meißen
Ein Zentrum für Pflanzenkunde
Universität Stuttgart
Master
8.01.2025
Institut für Öffentliche Bauten, Prof. Alexander Schwarz und Prof. Dr. phil. Klaus Jan Philipp
Bildungsbauten
Vectorworks, Rhino8, Blender, Photoshop, Illustrator, InDesign
Im Rahmen unserer Masterarbeit am Institut für Öffentliche Bauten der Universität Stuttgart haben wir ein umfassendes Konzept zur behutsamen Revitalisierung der Klosterruine zum Heiligen Kreuz in Meißen entwickelt. Unsere Arbeit widmet sich der Frage, wie die verborgenen Potenziale leerstehender Bestandsbauten, insbesondere von Ruinen erkannt und in kluge, tragfähige Konzepte überführt werden können. In einer Zeit, in der vielerorts Leerstand dem Verfall preisgegeben oder zugunsten von Neubauten aufgegeben wird, stellt sich die Frage: Ist das der richtige Weg?
An diesem Beispiel verdeutlichen wir, wie durch präzise Analyse und einen sensiblen architektonischen Ansatz Orte wie diese wiederbelebt werden können. Wir möchten den Blick für den Wert des baulichen Erbes schärfen und um zu verdeutlichen, dass tiefgehende Auseinandersetzungen mit Bestand nicht nur architektonisch, sondern auch kulturell und gesellschaftlich eine große Bedeutung haben.
Das Kloster zum Heiligen Kreuz wurde Anfang des 13. Jahrhunderts gegründet und 1568 im Zuge der Reformation säkularisiert. Es liegt zwei Kilometer flussabwärts von der Meißner Altstadt, umgeben von Auenlandschaft, Obstbäumen und Felshängen. Im Laufe der Jahrhunderte diente es als Steinbruch, Schutzort und wurde landwirtschaftlich genutzt. Heute ist sie ein von Efeu umranktes Fragment der Erinnerung.
„saxa loguuntur“ – sprechende Steine
Beim genaueren Hinsehen erkennt man nicht nur Steine, die einst Räume definierten. Hinter ihnen verbirgt sich ein bedeutendes kulturelles und gesellschaftliches Erbe.
Klöster waren im Mittelalter Zentren geistlichen Lebens, Bildung und Wirtschaft. Die Benediktinerinnen lebten nach dem Leitbild "ora et labora" – bete und arbeite. Ihr Alltag war geprägt von Gebet, Arbeit und Studium. Sie bewahrten Wissen, kopierten Manuskripte und förderten den kulturellen Austausch. Ihre nachhaltige Lebensweise kann uns heute als Orientierung dienen, denn sie vereinte Gemeinschaft, Wissenserhalt und Naturverbundenheit.
Mit unserem Entwurf schlagen wir eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft – durch die Schaffung eines Zentrums für Pflanzenkunde in Meißen. Historisches Pflanzenwissen soll gelehrt, präsentiert und mit modernen Methoden praktisch angewandt werden. Das Zentrum umfasst thematische Ausstellungen, Workshops sowie eine Sammlung von Literatur, Bildern, Samen und Pflanzen. Ein gemeinschaftlich bewirtschafteter Garten dient als Basis, auch für den Laden und das Bistro. Veranstaltungen finden im Auditorium oder innerhalb der Kirchenruine statt. Herzstück ist der historische Klostergarten angelegt, begrenzt durch den neuen Kreuzgang, der die Nutzungen verbindet und zugleich eine Brücke zur Vergangenheit schlägt.
Ziel ist es, das Erbe des Klosters nicht nur zu bewahren, sondern es in die Zukunft zu tragen. Dieser Ort soll inspirieren, berühren und ein neues Verständnis für Natur und das Wissen vergangen Generationen schaffen – eine Verbindung von Geschichte und Gegenwart.
Text von Sarah Rüngeler und Carolina Kern.