März / April 2025
Børsen | „Hjemsted for Dansk Håndværk“
Zwischen Alt und Neu: Räume des Fortbestehens
Technische Universität Darmstadt
Master
18.02.2025
Entwerfen und Baukonstruktion, Prof. Dipl.-Ing. M.Arch. Felix Waechter
Kulturbauten
Archicad, Lightroom, Photoshop, Indesign
Das Ziel war, ein Gebäude als „Heimstätte des Handwerks“ zu schaffen, das vielfältige Nutzungen vereint. Dabei stand die Integration der Ruine der abgebrannten Börse in Kopenhagen im Mittelpunkt, um deren historische Substanz als Ausgangspunkt für eine zukunftsweisende Transformation zu nutzen.
Eine neue, dynamische Raumkante wurde durch ein in unmittelbare Nähe des Schlossplatzes versetztes Ende des Gebäudes geschaffen. Dabei wurde der Bestand nicht nur als isoliertes Relikt betrachtet, sondern als Ausgangspunkt, der durch eine Verlängerung nahtlos fortgeführt wird. Die im Bestand markante, außenliegende Rampe wird in eine multifunktionale Tribüne umgewandelt. Ihre auslaufenden Enden gehen durch Fassadenöffnungen in den öffentlichen Raum über und fungieren als einladende Wegweiser. Die ehemals befahrene Straße entlang des Kanals wird in einen begrünten Streifen transformiert, der das Gebäude mit der neu gestalteten Uferpromenade verbindet und an den historischen Kontext des am Wasser gelegenen Bestandes erinnert.
Im Erdgeschoss der Ruine schaffen Stege zwischen Mauerresten einen begehbaren Ausstellungsraum, der Raum für aus dem Brand gerettete Überreste bietet. An der Stelle des ehemaligen Drachenturms entsteht ein Schaulager, dessen verdrehte Treppen an die historischen ineinander verwundenen Drachen erinnern. Zudem beherbergt der erhaltene Gebäudeteil Geschäfte, Verwaltungsbereiche sowie Nebenräume fürs Wohnen im Erdgeschoss, während temporäre Ausstellungsräume und eine Bibliothek im ersten Obergeschoss untergebracht werden. Im Dachgeschoss, konzipiert als Wohnatelier, entstehen Privaträume aus den Gauben und Gemeinschaftsateliers, die durch Lufträume mit den Werkstätten darunter verbunden sind und so Sichtbezüge schaffen. Ein Café im Erdgeschoss, das sich in die geschützten Seiten der Tribüne ausweiten kann, rundet das Angebot ab.
Die klare Materialrhetorik setzt den historischen Rhythmus fort und interpretiert ihn modern. Im Erdgeschoss kommen ungebrannte Lehmziegel zum Einsatz, die den Übergang zur Bruchkante des Bestandes betonen. In den oberen Geschossen und im Anbau wird die bestehende Fassade mit vorgefertigten Stampflehmblöcken fortgeführt – ein innovativer Schritt, der die archaische Bauweise in ein zeitgemäßes Licht rückt. Horizontale Sandsteinelemente werden als Stahlbeton-Ringanker weitergeführt, ergänzt durch vertikale und horizontale Holzelemente der Konstruktion, die den filigranen Charakter des Bestandes widerspiegeln. Vorspannseile und Erosionsbarrieren aus Trasskalk verbinden die einzelnen Schichten zu einem stimmigen Gesamtbild.
Die vielschichtige Geschichte des 400 Jahre alten Bauwerks wird mit modernen Ansprüchen an Flexibilität und Funktionalität vereint. Durch die integrative Herangehensweise an die bestehende Ruine und die konsequente Weiterführung historischer Elemente in neuen Materialisierungen wird ein Ort geschaffen, der sowohl kulturelle Identität als auch innovative Nutzungsvielfalt verkörpert.
Text von Haya Al Bitar.