Futuristische Visionen mit Naturmaterialien: Die Ausstellung Imagining the Future

Erde, Stroh und Ton: Drei Forschungsprojekte zeigen, wie Naturmaterialien zu aktiven Akteuren zukünftiger Architektur werden.

Mit der Ausstellung Imagining the Future – through Architecture and Design präsentiert die Royal Danish Academy in Kopenhagen noch bis April 2026 insgesamt 29 Forschungs- und Entwurfsarbeiten aus Architektur und Design. Ein Teil der Schau vereint materialbasierte Visionen für eine ressourcenschonende Baupraxis und stellt dabei traditionelle Techniken und Naturmaterialien in einen zeitgenössischen Kontext. Drei Forschungsprojekte verdeutlichen exemplarisch, wie unterschiedlich Erde, pflanzliche Fasern und gebrannter Ton eingesetzt werden können – als Konstruktion, Hülle oder energetisch aktives System.

Terra Hybrid – Heterogene Erdkonstruktionen

Das Projekt Terra Hybrid von Assoc. Prof. Frans Drewniak untersucht hybride Konstruktionen aus Lehm, ungebrannten Ziegeln und Tonfliesen. Im Zentrum steht eine stufenförmige Installation, die historische Bauweisen mit aktuellen Fragen der Materialverfügbarkeit und Wiederverwendung verbindet. Entwickelt im Rahmen des TERRA-Forschungsnetzwerks, plädiert das Projekt für eine Architektur, die lokal verfügbare Erdmaterialien kombiniert und nur minimal ergänzt. Der Begriff „composite“ verliert hier jegliche negative Konnotation und beschreibt die Mischung vorhandener Stoffe mit geringem industriellen Eingriff. Erde wird nicht als Low-Tech-Alternative betrachtet, sondern als kulturell und konstruktiv wertvolles Material mit Zukunftspotenzial.

The Hand of Nature – Handwerk und Biogenität

Die Materialstudie zu Reet, Stroh und Kork von Prof. Anne Beim, Assoc. Prof. Johannes Schotanus und weiteren Forschenden des CINARK (Center for Industrialised Architecture) rückt handwerkliches Wissen und ökologische Zyklen in den Fokus. Das Projekt The Hand of Nature hinterfragt die Vorstellung rein technologischer Lösungen für die Klimakrise und feiert die Wiederentdeckung des traditionellen Handwerks als soziale Innovation. In enger Zusammenarbeit mit Handwerksbetrieben und der Brandforschung entstand ein 1:1-Fassadensegment aus Naturmaterialien für den mehrgeschossigen Wohnungsbau mit drei Metern breite und sieben Metern Höhe. Das Projekt zeigt eine sichtbare Weiterentwicklung des Forschungsschwerpunkts des CINARK.

Therma Testa – Keramik als thermische Membran

Mit Therma Testa: Tilework Membranes erforschen Assoc. Prof. Flemming Tvede Hansen und Prof. Isak Worre Foged das thermische Potenzial von Ziegeln und Fliesen. Das Projekt untersucht keramische Bauteile als aktive Membranen, die Wärme speichern und weiterleiten können, ohne Feuchtigkeit zu übertragen. Diese Innovation könnte etwa in Trennwänden zwischen Nassräumen und Wohnbereichen eingesetzt werden. Die Kombination aus rotem Ton und Azurit verbindet funktionale und ästhetische Anforderungen. Ziel ist eine Architektur, die nicht mehr auf strikte thermische Trennung setzt, sondern auf materialintegrierte Energieströme.

Ein futuristischer Denkraum 

Gemeinsam zeigen die drei Projekte, dass Naturmaterialien leistungsfähige Bauprotagonisten sein können. Zugleich überzeugt Imagining the Future als kuratierter Denkraum. Die Ausstellung öffnet ein Forschungsfeld, das Materialien, Techniken und Haltungen miteinander verknüpft. Naturmaterialien wirken weder romantisiert noch als reine Hightech-Lösungen, sondern als präzise untersuchte Baustoffe mit Potenzialen und Konflikten. Gerade die sichtbaren Spannungen – zwischen Hybridität und Trennbarkeit, Handwerk und Forschung – machen die Schau relevant. Wer bis zum 16. April in Kopenhagen ist, sollte sie nicht verpassen.