Heilende Räume brauchen Licht: Neue Konzepte für das UKM
Studierende untersuchten am Uniklinikum Münster, wie sich fehlendes Tageslicht auf Patient*innen und Mitarbeitende auswirkt. Ihre Entwürfe suchen nach räumlichen Antworten.
Im Westflügel des Universitätsklinikums Münster arbeiten viele Angestellte den gesamten Tag ohne Tageslicht. Patient*innen warten stundenlang in Fluren und Wartezonen ohne Blick nach draußen. Was passiert mit einem Krankenhaus, wenn Räume zwar funktionieren, aber den Bezug zum Tagesverlauf verlieren? 140 Studierende des siebten Semesters im Fach Lighting Fundamentals 2 an der Detmolder Schule für Gestaltung gingen dieser Frage nach. Unter der Leitung von Prof. Mary-Anne Kyriakou entwickelten sie Lichtkonzepte für die Magistrale sowie die Bereiche Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie auf den Ebenen 03 und 04 des UKM-Westflügels.
Wenn der Blick nach draußen fehlt
Bevor die Studierenden ihre Entwürfe ausarbeiteten, analysierten sie die Situation vor Ort. Sie führten Interviews mit Mitarbeitenden und simulierten den Tageslichtverlauf. Dabei zeigte sich, dass viele Bereiche längst anders genutzt werden als vorgesehen: Ehemalige Lager- und Kopierräume dienen heute als Arbeitsplätze, Flure als Wartezonen und Aufenthaltsbereiche. Rund 70 Prozent des Personals arbeiten in Räumen ohne Tageslicht. Patient*innen warten teilweise mehrere Stunden, ohne ihren Blick nach draußen richten zu können. Die Studierenden beobachteten dabei, dass mit dem fehlenden Tageslicht auch Orientierungspunkte verschwinden, die den Verlauf eines Tages erfahrbar machen. Fenster zeigen Wetter, Tageszeit und Jahreszeiten. Sie verankern Menschen im Alltag. Geht dieser Bezug verloren, verändert sich auch die Wahrnehmung des Raums.
Den Außenbezug nach innen holen
Viele Entwürfe versuchten, Qualitäten zurückzubringen, die Tageslicht und Fenster normalerweise selbstverständlich bereitstellen. Pflanzen, natürliche Materialien und ruhige Farbwelten sollten den fehlenden Außenbezug kompensieren – und eine Atmosphäre schaffen, die Sicherheit vermittelt, ohne medizinisch zu wirken. Andere Gruppen setzten an der räumlichen Struktur der Magistrale an. Statt langer, gleichförmiger Flure entwickelten sie differenzierte Aufenthaltsbereiche mit organischen Formen, die den Raum gliedern und neue Orientierungspunkte setzen. Licht übernahm dabei eine aktive Rolle: Es markierte Wege, strukturierte Wartezonen und machte unterschiedliche Aufenthaltsqualitäten sichtbar. Was viele Entwürfe verbindet: Sie schaffen Situationen – Leitlinien im Boden, tageszeitgesteuertes Deckenlicht, abgeschirmte Lesenischen –, die das Fehlen von Fenstern nicht ersetzen, aber spürbar abfedern.
Eine Ressource, die erst auffällt, wenn sie fehlt
Die Studierenden präsentierten ihre besten Arbeiten am 14. April vor der leitenden Design- und Managementgruppe des UKM. Ihre Konzepte zeigen, wie viel gestalterischer Aufwand nötig wird, wenn Tageslicht nicht Teil der Architektur ist. Was Fenster selbstverständlich bieten – Orientierung, Außenbezug und ein Gefühl für den Tagesverlauf –, musste hier neu gedacht werden. Das Projekt macht zugleich einen Faktor sichtbar, der in Gesundheitsbauten oft unterschätzt wird: Tageslicht beeinflusst, wie Menschen ihren Aufenthalt erleben. In einer Umgebung, die von Unsicherheit und langen Wartezeiten geprägt ist, wiegt diese Qualität besonders schwer.