Entwurfsaufgabe Ausstellungsarchitektur: Eileen Gray in Raumfiguren und Fragmenten
Was entsteht aus dem Werk der Architektin Eileen Gray, wenn man es übersetzt und neu interpretiert? Studierende finden eine räumliche Antwort und gestalten die Ausstellung über die Pionierin der Moderne.
Wer die Präsentation „Eileen Gray: Golden Girls No. 3“ in Kaiserslautern besucht, begegnet zunächst einem großen Modell der Ausstellungsräume – eine Vorschau auf die bevorstehende immersive Erfahrung. Diese Miniatur im Maßstab 1:10 zeigt das Konzept, das Studierende des Fachbereichs Architektur der RPTU Kaiserslautern-Landau im Wintersemester 2025/26 entwarfen und umsetzten. Im gemeinsamen Studio der Fachgebiete Architektur – Theorie – Geschichte (Prof. Adria Daraban) und Raumgestalt (Prof. Oda Pälmke) entstand in Zusammenarbeit mit dem Museum Pfalzgalerie (mpk) die Ausstellungsarchitektur zum Werk der Architektin Eileen Gray.
Wie gut kennt man Eileen Gray?
Möbeldesignerin, Innenarchitektin, Textilgestalterin und – weitgehend autodidaktisch – Architektin: Eileen Grays Oeuvre verwischt die Grenzen zwischen Raum und Objekt. Ihr berühmtestes Bauwerk, das eigene Haus E. 1027 an der französischen Riviera, vollendete sie Ende der 1920er Jahre. Dieses inzwischen anerkannte Manifest der Moderne erlangte zunächst durch Le Corbusiers umstrittenen Eingriff Berühmtheit: Ende der 1930er Jahre bemalte er die weißen Wände mit Fresken – unerlaubt, provokant und nackt. Auch an anderen Stellen prallten die Ansichten der beiden aufeinander. Während Le Corbusier ein Haus als „Wohnmaschine“ verstand, schuf Gray ein zusammenhängendes, sinnliches Raumerlebnis, in dem Architektur und Mobiliar eine Einheit bilden.
Grays Möbel gelten heute als Klassiker, ihr Raumverständnis wirkt zeitlos modern. Wer jedoch nicht zur Côte d’Azur reisen kann, um das restaurierte Haus E. 1027 zu besichtigen, findet in Kaiserslautern eine szenografische Interpretation ihres Ansatzes. Die Ausstellung verbindet Exponate mit Raumfiguren und Fragmenten, die Grays Vision greifbar machen.
Die Dramaturgie des Raums
Wie lässt sich eine architektonische Haltung in ein räumliches Erlebnis übertragen? Wie destilliert man die Essenz eines Bauwerks, ohne es baulich nachzuahmen? Die Ausstellungsarchitektur spielte eine bedeutende Rolle, da sie keine bloße Kulisse für die Exponate sein sollte. Die Studierenden wollten die intime, sogar symbiotische Verbindung von Architektur und Mobiliar im Haus E. 1027 hervorheben. Sie arbeiteten größtenteils am Modell, im realitätsnahen Maßstab 1:10.
Die Einbauten zitieren Grays ikonische Möbel: Eine filigrane Struktur erinnert an das Stahlrohrgestell ihres berühmten Beistelltisches. Eine stufenartige Raumfigur spiegelt die aufgefächerten Schubladen ihrer Schrankentwürfe wider. Gerundete Wände lenken den Bewegungsfluss und greifen die ergonomische Form ihrer Klappliege auf.
Entlang eines fließenden Parcours durch die Museumsräume inszenierten die Studierenden räumliche Situationen des Wohnens, Arbeitens, Schlafens, Rückzugs und der Begegnung. Sie kombinierten Farb- und Materialcollagen mit Möbelelementen. Ein Arbeitstisch mit Ausblick, ein Bett oder eine Leseecke deuten Kontext und Funktion an. So verschmelzen die Objekte mit der Ausstellungsarchitektur und verlieren ihren Status als reine Exponate. Auch das große Modell im Foyer ist mehr als ein Schaustück: Es dokumentiert den Entwurfsprozess und wird selbst zum Ausstellungsobjekt.
Vergänglich, aber lehrreich
Ausstellungsarchitektur gehört zu den anspruchsvollen Entwurfsaufgaben im Studium. Sie verlangt, sich in einen vorgegebenen Raum einzufügen, die Exponate und ihre Botschaft zu verstehen und ein Konzept zu entwickeln, das auch mit der Vergänglichkeit der Intervention im Einklang steht. Der Weg vom Plan zur Umsetzung ist dabei unmittelbar. Trotz des engen Semesterrahmens bauten die Studierenden das Projekt im Museum selbst auf. So machten sie Eileen Gray als Schlüsselfigur der Moderne räumlich erfahrbar – und erprobten zugleich die Wirkung ihrer Intervention. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 8. November 2026 im mpk.