Mehr Gehalt, weniger Sicherheit? Der nexture+ Nachwuchsreport 2025/26

Mehr Gehalt, weniger Festverträge, wachsende Wechselbereitschaft: Das Nachwuchsnetzwerk hat die neue Generation der Planungsbranche erneut befragt. Ein Blick auf die Ergebnisse zeigt, was sich bewegt hat und was nicht.

Nach dem ersten Nachwuchsreport 2024 legt nexture+ erneut eine umfassende Bestandsaufnahme der Planungsbranche vor. Zwischen Oktober und Dezember 2025 befragte das Team Studierende, Berufseinsteiger*innen und Praktikant*innen aus dem deutschsprachigen Raum zu Zufriedenheit, Arbeitsplatz, Arbeitsbedingungen, Gehalt und beruflichen Zielen. 777 auswertbare Datensätze flossen in die Erhebung ein. Der Report wurde erneut ehrenamtlich und unabhängig erstellt. Das Ziel bleibt: den blinden Fleck zwischen Studium und Kammer-Vollmitgliedschaft mit belastbaren Daten zu füllen. 

Die neue Umfrage erlaubt erstmals einen Blick auf Entwicklungen im Zeitverlauf. Da sich Stichprobengröße und Disziplinverteilung leicht unterscheiden, sind direkte Vergleiche in unserem Beitrag als Tendenzen zu verstehen.

Wer antwortet?

Ganz schön viele Fragen. Aber woher kommen die Antworten? Dazu die aktuellen Hard Facts: 66 Prozent der Teilnehmenden kommen aus der Architektur (vgl. 2023/24: 75 Prozent), zehn Prozent aus der Innenarchitektur, elf Prozent aus der Landschaftsarchitektur und 13 Prozent aus der Stadt- und Raumplanung. Das bedeutet, "kleinere" Disziplinen sind stärker vertreten als zuvor. 60 Prozent sind Berufseinsteiger*innen, 64 Prozent weiblich, 34 Prozent männlich, das Durchschnittsalter liegt bei 26,8 Jahren. 82 Prozent arbeiten in Architektur- und Planungsbüros und insgesamt 95 Prozent in Deutschland. In 74 Prozent der Unternehmen sind weniger als 50 Mitarbeitende beschäftigt.

Würdest Du es nochmal tun?

Ob die Befragten ihr Studium erneut wählen würden, hängt stark von der Disziplin ab: 76 Prozent der Stadt- und Raumplaner*innen würden die Entscheidung erneut treffen, in der Architektur nur 48,9 Prozent – ein deutlicher Rückgang gegenüber den 58 Prozent aus dem Vorreport. Wer verneint, nennt als Gründe schlechte Bezahlung, Überstunden, fehlende Wertschätzung und psychische Belastung. 77 Prozent hatten im Studium zu wenig Freizeit, 44 Prozent finanzielle Probleme und 42 Prozent mussten deswegen länger studieren.

Überstunden, fragwürdige Verträge und Diskriminierung

Und wie sieht es mit dem Arbeitsalltag aus? 72 Prozent der Vollzeit-Berufseinsteigenden leisten regelmäßig Überstunden: im Schnitt 3,22 Stunden pro Woche. 79 Prozent bekommen diese nicht ausbezahlt – ein Wert, der sich seit 2023/24 praktisch nicht verändert hat. 17 Prozent berichten von arbeitsrechtlich fragwürdigen Vertragsklauseln. 81 Prozent der Arbeitgebenden halten sich laut den Befragten nicht an alle Absprachen aus dem Bewerbungsgespräch. 21 Prozent haben sich am Arbeitsplatz diskriminiert gefühlt – von Sexismus über Rassismus bis zu Mobbing.

Und was in unserer Branche erstaunt und zu hinterfragen ist: fehlende Betriebsräte. 69 Prozent der Büros ab elf Mitarbeitenden haben keinen.

Gehalt: gestiegen, aber nicht genug

Werfen wir einen Blick aufs Geld: Das Einstiegs-Median-Bruttojahresgehalt für Masterabsolvent*innen liegt laut Umfrage jetzt bei 48.000 Euro – ein deutlicher Anstieg gegenüber 39.000 Euro im Jahr 2024. Öffentlicher Dienst und Immobilienwirtschaft zahlen mit rund 56.400 Euro am besten, klassische Planungsbüros liegen bei 45.000 Euro. Dennoch sind 55,8 Prozent mit ihrem Gehalt unzufrieden. 56 Prozent haben bisher nicht verhandelt. Insgesamt nur 32 Prozent sehen gute Aufstiegschancen in ihrem Unternehmen.

Kammer: Relevanz und Rätsel

„Bisher ein Mysterium“, sagen 29 Prozent der Befragten. Für 66 Prozent steht die Kammer jedoch vor allem für die Berechtigung zur Berufsbezeichnung, für 59 Prozent für den Zugang zum Versorgungswerk. Nur sechs Prozent fühlen sich durch die aktuelle Berufsvertretung gut repräsentiert.

Was hat sich seit dem ersten Report verändert?

Der Vergleich mit dem Vorreport zeigt ein gemischtes Bild: Die Einstiegsgehälter sind gegenüber der letzten Erhebung deutlich gestiegen: beim Masterabschluss von 39.000 auf 48.000 Euro brutto, doch der Anteil unbefristeter Verträge sank von 87 auf 74 Prozent. Lässt sich daraus ein Tausch von Geld gegen Sicherheit erkennen?

Beunruhigend ist der Blick auf die Gleichstellung: 21 Prozent haben sich am Arbeitsplatz diskriminiert gefühlt, gegenüber 17 Prozent im Vorreport. Da beide Erhebungen unabhängig voneinander durchgeführt wurden, lassen sich die Werte zwar nicht direkt vergleichen – das Ausmaß bleibt aber alarmierend.

Und die Wechselbereitschaft? Ziemlich hoch: 70 Prozent denken über einen baldigen Jobwechsel nach, 42 Prozent liebäugeln sogar mit einem kompletten Branchenwechsel. By the way: Wer hier mal tiefer einsteigen will, dem sei auch unser Alumni-Podcast empfohlen.

Traumberuf mit Ablaufdatum?

Die Branche scheint sich zu bewegen, doch die strukturellen Probleme zeigen sich weiterhin hartnäckig. Trotz aller Kritik bezeichnen je nach Disziplin zwischen 52 und 81 Prozent ihren Job weiterhin als Traumberuf. Das Netzwerk fordert mit diesem Report einmal wieder Kammern, Büros und Verbände auf: Ergebnisse zur Kenntnis nehmen und aktiv werden – oder wie es im Report heißt: "die Steine aus dem Weg zu einer wirklich guten Baukultur zu räumen."