Dreams, ideas & prototypes: Ein Höhepunkt der World Design Capital 2026

In Frankfurt zeigen rund 120 studentische Arbeiten aus Design und Architektur, wie sich Gestaltung und Verantwortung einander bedingen. Hinter der Ausstellung steht ein Netzwerk, das erstmals im Rahmen der World Design Capital gegründet wurde.

Noch bis zum 9. August 2026 zeigt „dreams, ideas & prototypes: young talents at work“ im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt und im angrenzenden Metzlerpark Arbeiten junger Gestaler*innen. Die Ausstellung, Teil der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 (WDC), vereint Projekte von rund 25 Hochschulen aus Deutschland und darüber hinaus. Hinter dem Konzept steht die interdisziplinäre Plattform WDC-Campus, die den Nachwuchs in Architektur und Design sichtbar macht.

Träume, Ideen, Prototypen – regional und international

Mit der Ausstellung und einem dreitägigen Eröffnungsfestival im Juli erreichte die Arbeit des WDC-Campus ihren Höhepunkt. Die Veranstaltung folgt dem Leitgedanken der WDC 2026: „Design for Democracy. Atmospheres for a better life“. Auf 1.200 Quadratmetern versammelt die Schau über 100 Exponate aus der jungen Design- und Architekturszene.

Zur Realisierung von „dreams, ideas & prototypes“ rief das Kurator*innenteam zu einem Open Call für Hochschulprojekte aus Hessen auf. Internationale Beiträge und preisgekrönte Projekte – etwa vom RIMOWA Design Prize, Hessen Design, DDC Award und Red Dot Award – ergänzen die Auswahl. 

Vom human-centric zum planet-centric design

Die Ausstellung lenkt den Blick vom menschenzentrierten Entwerfen hin zu Themen wie Beständigkeit, Fürsorge, Austausch und Mobilität. Allen Projekten gemein ist ein bewusster Umgang mit Ressourcen – manifestiert in Produkten, Möbeln, grafischen Arbeiten, Prototypen und Installationen.

Mehrere Arbeiten widmen sich dem Hitzeschutz. Drinnen: eine mobile, energieeffiziente Klimaanlage. Im Außenbereich: ein filigraner Pavillon aus Holz und Stahl mit Nebelinstallation, entwickelt an der Hochschule Darmstadt. Daneben bietet ein Bogen aus ungebrannten Lehmziegeln und recyceltem Beton ebenfalls Schutz vor der Sonne. Ressourcenbewusstsein zeigt sich auch im Möbeldesign: Ein Hocker aus regionaler Schafwolle, Sitzsäcke aus Lederresten und ein Stuhl, der recycelte Ziegel mit Bakterien statt Zement bindet, setzen neue Akzente. 

Prothesen und Gadgets adressieren körperliche Belastungen und Ungleichheiten. Das inklusive Wasserhäuschen „WandelBar“, ein Holzkubus von drei mal drei Metern, und eine mobile, barrierefreie Wahlkabine der Frankfurt UAS fördern räumliche Teilhabe. Auf Krisensituationen reagieren „Rettungsplakate“ gegen Obdachlosigkeit, gedruckt auf silbern-goldenen Rettungsdecken sowie eine aufblasbare Kühlkapsel für humanitäre Einsatzgebiete ohne Stromversorgung. 

Zwei Projekte gehen auf unterschiedliche Lebensrealitäten ein: Die mobile Küche der Hochschule Mainz ist als identitätsstiftende, gemeinschaftsbildende Infrastruktur konzipiert. Die Wohn- und Arbeitskabine „UDO“ des Kollektivs Belwerk lässt sich per Transporter oder Anhänger bewegen und passt sich unebenem Gelände an. Weiter liefert das autonome Shuttle-System „MARA“ eine Vision für vernetzte Mobilität im ländlichen Raum. 

Die Rolle des Designs drückt der grafisch aufbereitete Koalitionsvertrag vielleicht am klarsten aus: Ein sperriger Text, der die gesamte Gesellschaft betrifft, wird durch Gestaltung und Illustration zugänglich – bei unverändertem Inhalt.

Die Ausstellung macht deutlich: Design steht längst nicht mehr nur für Ästhetik und Funktionalität, sondern auch für Verantwortung. Diese Haltung kristallisiert sich schon früh im Studium heraus.

Ein Netzwerk, keine einmalige Schau

Der WDC-Campus bildete sich in den letzten zwei Jahren als Netzwerk. Er verbindet rund 250.000 Studierende an über 40 Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet mit Wirtschaft, Politik und Stadtgesellschaft. Ob das Format über 2026 hinaus existiert, bleibt offen. Die World Design Organisation prüft zumindest, ob der WDC-Campus fester Bestandteil der World Design Capitals werden wird.