Wandel Gestalten: Studentische Ausstellung um Lucius Burckhardt
Ein Seminar als Kooperation zwischen Architektur und Kommunikationsdesign: Über die Entstehung einer Ausstellung, die das ökologische und soziale Bauen der 1960er Jahre in die Gegenwart bringt.
Der Rekordsommer 2026 mit extremer Hitze und Unwetter zeigte uns erneut, dass die ökologische und soziale Bauwende fundamental für unser gesellschaftliches Zusammenleben ist. Aber wie können wir Studierende den Wandel aktiv mitgestalten? Studierende der Hochschule Darmstadt (h_da) und der Technischen Hochschule Lübeck gingen dieser Frage in einer Ausstellung nach, geleitet von Prof. Felix Dölker und Prof. Alexander Stumm. Die inhaltliche Aufarbeitung fand in Lübeck statt, die gestalterische Umsetzung an der h_da.
Zum 50. Jubiläum von Lucius Burckhardts Vorsitz im Deutschen Werkbund lief die Ausstellung „Wandel Gestalten“ von März bis Juni 2026 im Werkbund Forum in Frankfurt am Main als Teil der World Design Capital 2026. Ab September ist sie in Berlin zu sehen.
Inhaltliche Vorarbeit in Lübeck
Prof. Stumms Forschungen zur Geschichte des ökologischen und sozialen Bauens im deutschsprachigen Raum bildeten den Ausgangspunkt der Ausstellung. Ein Schwerpunkt lag auf der Kritik des Werkbundes an der Bauindustrie in den 1960er und 1970er Jahren. Sie ist nicht nur historisch relevant, sondern hat auch einen starken Bezug zur Gegenwart.
In Gesprächsrunden an der Hochschule in Lübeck setzten wir uns mit Veröffentlichungen von Ot Hoffmann, Rudolf Doernach, Walter Segal und Michael Andritzky sowie mit weiteren Akteuren rund um Lucius Burckhardt und den Werkbund auseinander. Dabei stellten wir uns Fragen wie: Warum entwickeln wir Neues, um Probleme früherer Entwicklungen zu lösen? Wann nehmen Architekt*innen eine planende Rolle ein, wann stehen sie nur beratend zur Seite? Wie sehen Lösungsansätze aus, die Natur und Mensch mitdenken? Wie können wir mit den vorhandenen Ressourcen arbeiten, ohne sie zu verschwenden und künftigen Generationen zu rauben? Ein Leitgedanke war dabei stets der von Lucius Burckhardt geprägte Begriff des „kleinstmöglichen Eingriffs“.
Gemeinsame Grundlage
Während die inhaltliche Arbeit in Lübeck weitgehend eigenständig verlief, bestand die Herausforderung in Darmstadt darin, eine Ausstellungsarchitektur zu entwickeln, die flexibel und unabhängig vom Umfang der Inhalte funktioniert. Dabei zeigte sich, dass das Ergebnis zu Beginn nicht feststehen musste, sondern sich im Laufe der Zusammenarbeit entwickeln konnte.
Im November 2025 trafen wir uns in Darmstadt zum Projektauftakt. Eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Oeco Architektur“ eröffnete das Treffen. Martin Schmitz, ein ehemaliger Student Lucius Burckhardts, schilderte uns seine Eindrücke aus der Studienzeit. Im Anschluss sammelten wir in Kleingruppen unsere Vorstellungen und Wünsche für die Ausstellung. Dieser direkte Austausch half, die verschiedenen Perspektiven zu vereinen und ein gemeinsames Verständnis für die Präsentation zu schaffen.
Raster als Leitmotiv
Als gestalterisches Leitmotiv diente das Raster. Es verbindet Design, Architektur und digitale Welt und verknüpft so die Themen der Ausstellung. Wir legten Wert auf Langlebigkeit und Nachhaltigkeit. Ein Raumtrenner aus unbehandelten, zusammengesteckten Holzlatten gliedert den Raum und die Texte sind auf Spanholzplatten gedruckt – Materialien, die sich nach der Ausstellung weiterverwenden oder zurückgeben lassen.
Innerhalb des Rasters schafft die Trennung nicht nur Platz, sondern gliedert den Ausstellungsraum auch inhaltlich in einen historischen und einen gegenwärtigen Teil. So entsteht eine zweite Ebene: Die Fragen, die der Werkbund in den 1960er- und 1970er-Jahren stellte, übertrugen wir auf digitale Räume und Künstliche Intelligenz in der Gegenwart.
Wandel Gestalten inspiriert
Themen wie ökologische Baumaterialien, Energieeffizienz, Bestandserhalt, Aktivismus und Beteiligung kamen in den 1970er Jahren in den deutschsprachigen Diskurs und sind heute aktueller denn je. Wir können viel aus dieser Zeit lernen.
Auch die Spaziergangswissenschaften von Lucius Burckhardt konnten in einem Stegreifentwurf im vergangenen Semester für die Lübecker Altstadt aufgegriffen werden. Ein Rahmen aus Lochblech schärfte dort den Blick und diente der bewussten Wahrnehmung und Wertschätzung des Alltäglichen.
Aufgrund der positiven Resonanz wandert die Ausstellung nun weiter nach Berlin und wird dort im Bauhaus Reuse am 24. September 2026 für ein neues Publikum eröffnet.