Sitzlandschaft vor Bergkulisse: Der Gabonsa Pavillon
An der Schnittstelle zwischen Architektur und Möbel planen und bauen Studierende zusammen mit lokalen Kollektiven eine temporäre Struktur für das Gabonsa Festival.
Wie entsteht ein vielseitig nutzbarer Treffpunkt für ein Musikfestival mit wenig Geld? Innenarchitekturstudierende der Hochschule Kaiserslautern bauten gemeinsam mit zwei Innsbrucker Kollektiven eine Installation, die sich beim Gabonsa-Festival 2025 bewähren musste. Das DesignBuild-Projekt unter der Leitung von Prof. Fabian Wagner, Louise Daussy, Antonio Winter-Schlaf und Nils Fischer erprobte temporäre und zirkuläre Low-Budget-Konstruktionen aus handelsüblichen Baustoffen.
Mülldeponie wird Freizeitzentrum
Am Rand der Rossau, einem von Gewerbe geprägten Teil von Innsbruck, lag zwischen 1942 und 1976 eine etwa 20 Hektar große Mülldeponie. Nach einer langwierigen Schadstoffsanierung gehört das Areal inzwischen wieder der Stadt und steht für öffentliche Nutzung bereit. Neben der Golf-Übungsanlage am Baggersee plant die Stadt weitere Entwicklungen für den öffentlichen Raum.
Im vergangenen Jahr fand dort erstmals eine Kulturveranstaltung statt: das dreitägige Gabonsa-Festival. Die Stadt stellte dem veranstaltenden Kulturverein, einem Zusammenschluss zwischen den Kollektiven Gans Anders und Bonanza, die Fläche unentgeltlich zur Verfügung. Akteur*innen der Innsbrucker Kulturszene, zuletzt von Schließungen betroffen, erkannten das Potenzial dieser Flächen als Lichtblick für weitere Veranstaltungen.
Eine kollektive Struktur
Die Kollektive beschrieben ihre Haltung als "Lust am Experiment", motiviert durch ein Bedürfnis nach kollektiven Erfahrungen. Dafür wollten sie Räume schaffen, die mehr sind als reine Veranstaltungsorte. Diese Aufgabe übernahmen die Studierenden aus Kaiserslautern. Gemeinsam entwarfen und bauten sie ein experimentelles Festivalmöbel.
Auf einer Anhöhe positioniert, entstand eine tribünenartige Struktur, die als Treffpunkt, Aufenthaltsfläche und Orientierungspunkt zugleich diente. Zur Hauptbühne des Festivals öffnete sich die Installation als Sitztribüne, während die rückseitige Workshopfläche einen intimeren Aufenthaltsraum ausbildete. Die Struktur blieb möglichst offen, um Blickbeziehungen zwischen Besucher*innen und der umgebenden Landschaft sowie dem Festivalgeschehen zu ermöglichen.
Umdeutung des Üblichen
Dem temporären Charakter eines Festivals folgend, entwickelten die Studierenden eine pragmatische, ressourcenschonende und rückbaubare Struktur. Sie fügten handelsübliche, vier Meter lange Holzträger durch einfache Schraubverbindungen und schnitten sie nur zu, wo es konstruktiv notwendig war. Rot gefärbte Aussteifungen machten die Konstruktion lesbar.
Auch die Hülle der leichten Konstruktion folgte dem Prinzip, alltägliche Baumaterialien mit einfachen Mitteln umzudeuten. Ein halbkreisförmiges, mit reflektierender Baufolie bespanntes Element spiegelte Himmel und Landschaft und diente gleichzeitig der Sichtbarkeit als Orientierungspunkt. Eine Aluminium-Dampfsperre bildete einen Baldachin, unter ihrem Schatten spannte sich ein Baustellennetz als Hängematte auf. Die Verankerung mit Erdschrauben und Spanngurten ermöglichte einen vollständigen Rückbau nach dem Ende des Festivals. Auch die anderen Elemente konnten sortenrein zerlegt und in ihrer ursprünglichen Form weiterverwendet werden. Möglicherweise werden sie dann zum Ausgangspunkt für eine neue Installation bei der nächsten Ausgabe des Festivals.