Erntedank für den Bestand: Mock-ups aus Betonverbundsteinen

Studierende untersuchen über zwei Semester, was sich aus gebrauchten Pflastersteinen bauen lässt, und wo die Wiederverwendung an ihre Grenzen stößt.

Eine Pflasterfläche wird abgebrochen. Ihre Steine landen nicht im Container, sondern auf dem Arbeitstisch: Am Institut für Architekturtechnologie (IAT) der TU Graz entwickelten Studierende unter Leitung von Prof. Lukas Imhof aus gebrauchten Betonverbundsteinen Bauteile und Mock-ups im Maßstab 1:1. Über das Studienjahr 2025/26 hinweg fragten zwei Lehrveranstaltungen, ob sich das robuste Pflastermaterial für den Hochbau nutzen lässt und bauten auf dem Grazer Hornig-Areal erste Antworten.

Stadt als Rohstofflager

Den Auftakt bildete im Wintersemester 2025/26 der Bachelor-Entwurf „Becoming Circular – Architectures of Urban Mining“. Die Studierenden bargen Steine aus einer zum Abbruch freigegebenen Pflasterfläche auf dem Hornig-Areal, bereiteten sie auf und setzten daraus 1:1-Prototypen um. Statt neue Ressourcen zu nutzen, behandelt das Projekt den Bestand als Rohstofflager und untersucht, wie rückgebaute Materialien zu neuen architektonischen Bauteilen werden können. Aufbauend auf den Eigenschaften des Materials entwickelten die Studierenden Konzepte und erforschten zugleich dessen konstruktive Möglichkeiten und Grenzen. Damit knüpft der Entwurf an die Forschung des IAT zum zirkulären Bauen und zur Wiederverwendung von ReUse-Materialien an.

Entwerfen mit geerntetem Material

Im Sommersemester 2026 wurde die Arbeit im Vertiefungsmodul „ReSett – Architektur aus gebrauchten Verbundsteinen“ fortgeführt. Während der Entwurfskurs den gestalterischen Umgang mit dem wiedergewonnenen Material untersuchte, rückte nun dessen technische und konstruktive Eignung in den Fokus. Die Studierenden analysierten die handwerkliche Bearbeitbarkeit, statischen Eigenschaften und räumliche Wirkung der Betonverbundsteine. Auch hier entwickelten sie Bauteile und Prototypen in Originalgröße. Ziel war es, Grundlagen für eine zukünftige Wiederverwendung im Hochbau zu erarbeiten und die Potenziale des Materials systematisch zu dokumentieren.

Zwei Semester, ein Kreislauf

Die beiden Lehrveranstaltungen verbanden Entwurf, Forschung und praktisches Bauen. Die im Wintersemester entstandenen Ideen wurden durch Materialversuche und Prototypen weiterentwickelt. Die Ergebnisse präsentierte die Ausstellung „Stadtabdrücke – Landabläufe“ im Haus der Architektur Graz. Sie zeigen das architektonische Potenzial gebrauchter Betonverbundsteine – aber auch die technischen und rechtlichen Hürden einer kreislauffähigen Baupraxis.