Die Blaue Nuss: Reparatur für den Stadtgarten

Mit wenigen, präzisen Eingriffen entwickeln Wiener Studierende ein verfallenes Stadel in Gmunden zu einem flexiblen Baustein des Stadtgartens weiter.

Jahrelang diente der kleine Stadel im Stadtgarten von Gmunden als Abstellraum für alles Unerwünschte. Jetzt wird er ein Raum für Veranstaltungen – die „Blaue Nuss". Bereits seit mehreren Jahren arbeiten die Technische Universität Wien und die Stadtgemeinde Gmunden daran, den Stadtgarten als öffentlichen Freiraum weiterzuentwickeln. Studierende unterschiedlicher Lehrstühle gestalten ihn durch Ausstellungen, partizipative Formate und 1:1-Interventionen temporär mit.

Im Sommersemester 2026 nahm sich die BMLUK Stiftungsprofessur für Holzbau und Entwerfen im urbanen Raum unter der Leitung von Prof. Juri Troy in einem Design-Build-Projekt das beschädigte Wirtschaftsgebäude vor – diesmal mit dem Ziel, einen dauerhaften Baustein für den Stadtgarten zu schaffen: Studierende bauten den Stadel zu einem flexibel nutzbaren Veranstaltungsraum um, der zugleich die Durchwegung des Areals verbessern soll.

Eine Stadtgärtnerei wird zum Dritten Ort

Das 6.500 m² große Areal der ehemaligen Stadtgärtnerei lag einige Jahre brach. 2022 widmete der Gemeinderat von Gmunden es zu einem öffentlichen Freiraum um: ein Grünraum ohne Konsumzwang, mit optionalen Kunst- und Kulturangeboten. Seitdem entwickelt sich der Stadtgarten zu einem Raum der Begegnung innerhalb des kleinen Ortes.

Auch die bestehende Bebauung denkt die Gemeinde Schritt für Schritt weiter. Die zentrale Villa dient nach ihrer Sanierung als Keramikwerkstatt und Künstler*innenresidenz. Der angrenzende Stadel, lange vernachlässigt und nur als Lager genutzt, musste jedoch erst repariert werden, bevor er Teil des öffentlichen Raumensembles werden konnte.

Flexibel und verbindend

Reparieren, wo es nötig ist: Mit diesem pragmatischen Ansatz entwarfen die Studierenden ein Konzept, das den Stadel als Raum für Workshops und Veranstaltungen öffnen sollte – nutzbar für unterschiedliche Akteur*innen wie die TU Wien oder den ansässigen Keramikverein. Dafür befreiten sie den Innenraum von sämtlichen Einbauten und setzten die ausgebesserte Tragstruktur in Szene.

Gleichzeitig löst der Umbau ein räumliches Problem: Villa und Nebengebäude teilen das Areal in zwei getrennte Bereiche. Die „Blaue Nuss“ verbindet sie. Zweiseitige Ein- und Ausgänge als auch eine Treppe, die den Höhenunterschied überwindet, verbessern die Durchwegung des Stadtgartens.

Ausdruck des Wesentlichen

Geprägt ist die Architektur des Umbaus von dem Anspruch, dem Stadel eine „ursprüngliche“ Erscheinung wiederzugeben. Dazu nutzten die Studierenden  ausschließlich wiederverwendete Bauteile und Resthölzer einer lokalen Zimmerei. Am bestehenden Tragwerk testeten sie vor Ort mit Mock-ups mögliche Konstruktionen, bevor sie bauten. Das Ergebnis: Alte und neue Hölzer fügen sich zu einer Struktur, die im Inneren roh und direkt wirkt. Neue Öffnungen in Wand und Dach verbinden das kleine Haus mit dem Außenraum, und Treppe und Gaube werden zu prägenden Elementen.

Das einzige, wirklich neue Bauteil ist die namensgebende blaue Dachdeckung. Sie wurde gespendet und bricht gestalterisch mit dem Rest. Gerade darin lässt sich aber auch eine Haltung erkennen, die das gesamte Projekt durchzieht: Es gilt, pragmatische Lösungen zu finden, die das Vorhaben weiterführen.