Dorfmitte aus Bambus: Das Mamanwa Community Center

Nach zwei Jahren Planung realisierten Studierende in Zusammenarbeit mit einem Verein und der philippinischen Dorfgemeinschaft ein Gemeindezentrum aus Bambus.

Um praxisorientierte Forschung und gesellschaftliches Engagement in die Lehre einzubinden, führten Prof. Brigitte Al Bosta und Prof. Carina Neff mit Studierenden ein DesignBuild-Projekt auf der Insel Mindanao durch. 

Die mehrjährige theoretische und praktische Vorbereitungsphase umfasste Bachelor- und Masterarbeiten, Wahlpflichtfächer und praxisorientierte Workshops. Im Frühjahr 2024 startete die Bauphase: Knapp 60 Studierende der Hochschule Kaiserslautern, der Verein Fruit-Tree e. V. und die indigene Dorfgemeinschaft errichteten gemeinsam das Mamanwa Community Center.

 

Planen im tropischen Kontext

Mamanwa Village wurde im Jahre 2000 neu gegründet, nachdem seine Bewohner*innen aufgrund von Zwangsräumungen durch den lokalen Bergbau aus ihrem Lebensraum vertrieben wurden. Die kleine Siedlung im Nordosten der philippinischen Insel Mindanao ist in eine hügelige Regenwald-Landschaft eingebettet. Die Region ist für immer häufiger auftretende Naturkatastrophen wie Erdbeben und Taifune sehr anfällig. Auch in Mamanwa Village zerstörte der Taifun „Rai“ im Jahr 2021 mehrere Häuser. Diesem kulturellen und klimatischen Kontext galt besondere Aufmerksamkeit in der Planung.

Während der langen Vorbereitungszeit standen die Beteiligten in engem Kontakt zur lokalen Bevölkerung. Ihre Bedürfnisse und Anregungen flossen direkt in die Planung des Gemeinschaftshauses ein. Durch die multifunktionale Nutzung sollte sich das Bauwerk zum sozialen Mittelpunkt des Dorfs entwickeln. 

 

Lokale Baustoffe und Prozesse

Vor Ort verfügbar, kostengünstig und vielseitig einsetzbar: Das Planungsteam nutzte Bambus als Primärbaustoff. Sie bezogen ihn von der lokalen Organisation Kawayan Collective, die den Bambus anbaut, erntet und behandelt. Die ganzen Holme dienen dem Bau als Tragkonstruktion, gespaltene Stücke als drehbare Fassadenelemente, Bambusschindeln als feststehende Fassadenelemente, gespaltene Holme (Skeleton) als Fassade und einzelne Latten aus gespaltenem Bambus, mit Bambusnägeln verbunden (Pinboo) als Bodenpaneele. 

Trotz hoher Temperaturen, großer Luftfeuchtigkeit und starker Regenfälle entstand das Gebäude innerhalb von fünf Wochen in Kooperation mit der Dorfbevölkerung und lokalen Baufirmen. Die Zusammenarbeit zwischen den deutschen Studierenden und den philippinischen Arbeiter*innen gestaltete sich als wertvolle interkulturelle Erfahrung. Zum Projektabschluss fand die feierliche Eröffnung statt, verbunden mit der offiziellen Übergabe an die Gemeinschaft.

Dorfmitte mit Perspektive

Das Mamanwa Community Center dient der Dorfgemeinschaft nun als zentraler Treffpunkt und bietet Raum für viele Nutzungen des Alltags. Dazu zählen Ärzt*innenbesuche, Lebensmittelausgabe oder auch Schulungen und Workshops für Kinder und Erwachsene. Diese neuen Räume für Bildung, Gesundheitsversorgung und soziale Fürsorge bergen das Potenzial, das gemeinschaftliche Leben im Dorf zu verbessern.

Das Projektteam hofft ferner, der Dorfgemeinschaft das Bauen mit Bambus nähergebracht zu haben – eine ehemals verbreitete Praxis, die jedoch mit der Zeit in Vergessenheit geriet. Das Gemeindezentrum könnte zudem als Vorbild für zukünftige Bauprojekte mit dem lokalen Baumaterial in der Region fungieren. So würde die traditionelle Bauweise perspektivisch wieder an Bedeutung gewinnen und den Menschen vor Ort neue handwerkliche Perspektiven aufzeigen.