Der Hafen als Denkmaschine: Neue Kulturräume für die Teufelsbrücke
KI als Entwurfskatalysator? Wie Studierende Mannheims historisches Hafenareal neu denken.
Die Teufelsbrücke in Mannheim dreht sich seit den 1970er Jahren nicht mehr. Für den Schiffsverkehr wurde sie überflüssig, 2012 verhinderte eine Bürgerinitiative ihren Abriss. Seitdem steht die denkmalgeschützte Brücke fast vergessen am Verbindungskanal zwischen Jungbusch und Mühlauinsel. Im Wintersemester 2025/26 nahmen Masterstudierende der RPTU Kaiserlautern diesen Ort als Ausgangspunkt für Kulturzentrumsentwürfe. Geleitet wurde das Studio von Prof. Alexander Bartscher und Lehrbeauftragtem Konrad J. Peter. Im Zentrum stand dabei ein Perspektivwechsel: Nicht die Zeichnung eröffne den Entwurf, sondern das Bild. KI-generierte Visualisierungen sollten zur Basis architektonischer Entscheidungen werden.
Das Bild kommt zuerst
Das Studio stellte den gewohnten Ablauf auf den Kopf: Nicht der Grundriss führte zur Visualisierung, sondern das Bild zum Grundriss. Die Lehrenden setzten KI-gestützte Bilderzeugung konsequent an den Anfang des Prozesses. Studierende formulierten Prompts, erzeugten Bildserien und befragten diese dann kritisch: Was stimmt hier, was fehlt, was "versteht" das Bild nicht? Dieser Prozess verkürzte den Entwurf nicht, denn auf diese Weise mussten die Studierenden den Ort genau lesen und eine räumliche Haltung entwickeln, bevor sie ein Bild schaffen konnten.
Theoretisch knüpfte das Studio dabei an Miroslav Šíks Idee der Analogen Architektur an: weiterbauen statt überschreiben. Gerade im Mannheimer Hafen hieß das, aus der Rauheit des Ortes heraus zu entwerfen und keinen fremden Kulturbau in die Industrie zu setzen.
Architektur aus Atmosphäre
Die Entwürfe reagieren sehr unterschiedlich auf denselben Ort. Manche Projekte besetzten die Brücke direkt, andere wichen aus — unter Bahngleise, an das Ufer, auf die gegenüberliegende Friesenheimer Insel. Ein Entwurf setzt leichte Baukörper aus Gerüstbaustangen auf die Brücke, ein anderer lässt ein Stahlfachwerk darüber schweben. Wieder ein anderes Projekt spannt einen Bogen aus LKW-Plane über ein Kulturhaus am Kanalufer, während ein weiteres einen massiven Betonkörper an die Inselkante setzt. Was alle Entwürfe verbindet, ist die atmosphärische Dichte, denn allen Projekten lässt sich ansehen, dass sie von einem Bild her gedacht wurden, das die Studierenden durch den gesamten Prozess getragen hat.
Schneller entscheiden, anders diskutieren
Was bedeutet das für den Entwurfsprozess? Entscheidungen, die früher mehrere Wochen brauchten, diskutierten Lehrende und Studierende nun direkt am Bild. Statt Skizzen erst interpretieren zu müssen, stand sofort eine gemeinsame Vorstellung im Raum.
Die KI machte räumliche Möglichkeiten früh sichtbar — ob sich diese später architektonisch einlösen lassen, blieb dennoch Aufgabe der Entwerfenden. Gleichzeitig veränderte sich dadurch das Tempo der Arbeit und die Qualität der Gespräche zwischen Lehrenden und Studierenden. Ob das die eine neue Methode in der Ausbildung sein kann, lässt sich nach einem Semester kaum sagen. Das Studio zeigt aber, wie stark KI den Schwerpunkt architektonischer Arbeit verschieben kann: weg von der reinen Darstellung, hin zur Frage, wie Bilder selbst Entwürfe beeinflussen.