Sorgende Räume: Campus Masters Mai/Juni entschieden
Von der Umnutzung obsoleter Großstrukturen bis zum Weiterbauen kleinteiliger Quartiere: Die prämierten Arbeiten der Campus Masters Mai/Juni 2026 denken den Gebäudebestand auf allen Maßstabsebenen.
Wie können architektonische Konzepte gesellschaftliche Sorge übernehmen? Zum einen, indem sie die Ressourcen der gebauten Umwelt sinnvoll weiternutzen. Zum anderen, indem sie Räume schaffen, die Sorgearbeit gerecht verteilen. Zwischen diesen Polen verhandeln die ausgezeichneten Projekte dieser Runde.
Den Jurypreis vergaben Johanna Barthen und Thomas Buser von Studio Duktus aus Berlin. Er geht an Maxine Lass (Technische Universität Berlin) für ihre Masterarbeit TAKE CARE. Sie transformiert das Areal des Gesundheits- und Sozialzentrums Moabit zu einer „Caring City“ – einem gemischten Stadtquartier, das soziale Infrastruktur, öffentlichen Raum und Wohnen zusammendenkt. Die Jury lobt an Maxines Arbeit, wie sich Stadt aus dem Bestand heraus sozial, zukunftsorientiert und architektonisch überzeugend weiterentwickelt.
Lina Wenzel sichert sich mit ihrem Projekt AFTER WORK den 1. Platz im Online-Voting. Die Arbeit, entstanden an der Leibniz Universität Hannover, revitalisiert ein leerstehendes Büro- und Hafengebäude in Hamburg. Eine lebendige Erdgeschosszone verbindet öffentliche Nutzungen und reagiert zugleich auf mögliches Hochwasser. In den oberen Geschossen des Turms entsteht Wohnraum hinter einer neuen Fassadenschicht.
Den 2. Platz belegen Lucas Kittelberger und Andreas Tsatsis mit ihrer Bachelorthesis reuse reassemble reincarnate. Die Studierenden der Technischen Universität Dortmund beschäftigen sich mit dem industriellen Erbe am Niederrhein: Tragstruktur und Erschließungselemente ihrer neuen Großstruktur stammen aus den Bauteilen eines alten Kraftwerks. So überführt die Arbeit die Ressourcen einer obsoleten Typologie in eine zeitgemäße öffentliche Architektur.
Die Arbeit Altern in vertrauter Umgebung von Klara Groß (Technische Universität Berlin) landet auf dem 3. Platz. Ihre Masterthesis formuliert einen Lösungsansatz für den „stillen Generationenkonflikt“ auf dem Berliner Wohnungsmarkt. An einem Fallbeispiel untersucht sie, wie sich das Berliner Mietshaus umrüsten lässt. So könnten ältere Bewohner*innen in ihrer vertrauten Umgebung bleiben und Wohnfläche suffizienter genutzt werden.
Alle Preisträger*innen dieser Wettbewerbsrunde erhalten frische Publikationen aus den Verlagen Birkhäuser und JOVIS. Ferner haben sie sich für die Teilnahme an der Jahreswertung qualifiziert. Aktuelle Informationen zum Wettbewerb und weitere Termine gibt es auf Instagram.
Campus Masters wird unterstützt von GIRA.