Eine kreative Enklave in der Hansestadt: Der 20. DIA-Award in Wismar
Filme, Leuchten, Schmuck, ein Pavillon: Die Jahresausstellung der Hochschule Wismar versammelt die Arbeiten ihrer Gestaltungsdisziplinen. Welche Entwürfe die DIA-Jury überzeugten – und was sie über die Lehre am Campus verraten.
Modelle in den Fluren, Plakate an den Wänden bis ins Treppenhaus, Möbelelemente, Keramikobjekte und ein DesignBuild-Projekt, das ein Studierendenteam gerade im Garten errichtet: So präsentierte sich die Fakultät für Gestaltung der Hochschule Wismar am 3. Juli 2026 bei ihrer Jahresausstellung DIA. Die Veranstaltung, die dieses Jahr ihr 20. Jubiläum feierte, zeigte eine geballte Ladung kreativer Arbeiten aus ihren Studiengängen.
Passend dazu wurden auch diesmal die DIA’26-Preise verliehen. Die siebenköpfige Fachjury bewertete Semester- und Abschlussprojekte in sechs Kategorien: Architektur, Innenarchitektur, Architectural Lighting Design, Produkt, Schmuck sowie Kommunikationsdesign und Medien. BauNetz CAMPUS war Teil der diesjährigen Jury.
Vom Objekt zum Pavillon: starke Konzepte, kaum ein gemeinsamer Nenner
In der Kategorie Architektur überzeugte das DesignBuild-Projekt „El Progreso Heritage Center“. Zwölf Studierende entwarfen und errichteten auf der Galápagos-Insel San Cristóbal eine Installation, die an die lokale Zuckerrohrindustrie erinnert. Der Parcours erzählt die vergessene Geschichte von El Progreso, einem der größten agroindustriellen Betriebe an der Pazifikküste Südamerikas im späten 19. Jahrhundert. Die Jury lobte den sensiblen Umgang mit dem schwierigen industriellen Erbe und lokalen Materialien.
Den Innenarchitekturpreis erhielt „Die Lückenküche“. Das Masterprojekt bespielt exemplarisch eine Baulücke, ohne sie hermetisch zu schließen. Eine transparente, dreigeschossige Holzstruktur dient als vertikales Gewächshaus und Treffpunkt für gemeinsames Kochen, Essen, Gärtnern und Lernen. Die Jury lobte den Entwurf als glaubwürdigen Ansatz, der sich auf andere Baulücken übertragen ließe. Der architektonische Detaillierungsgrad und das ergänzende Brandingkonzept waren ebenfalls schlüssig.
„MaBar: Light as a Memory“ gewann in der Kategorie Architectural Lighting Design. Die Hängeleuchte für eine Bartheke projiziert das Licht so, dass es den Schatten eines Glases imitiert. Die Jury würdigte nicht nur den originellen Effekt und die handwerkliche Präzision, sondern auch den inversen Entwurfsprozess: Von der beleuchteten Fläche ausgehend, entwickelte sich der Lichtkörper. Das Objekt ist somit die gestalterische Konsequenz einer detaillierten Analyse.
Eine Radtour, das überzeugendste Abschlussprojekt
Zur Aufgabe der DIA-Jury gehört auch die Vergabe des Preises für die beste Abschlussarbeit – eine besondere Herausforderung angesichts der Heterogenität der Projekte aus den verschiedenen Studiengängen. Wie kann sich eine Schmuckserie mit einem Film oder einer Ausstellungsinstallation vergleichen?
Dieses Jahr setzte sich eine Masterarbeit der Architektur durch. Unter dem Titel „Architektur als gesellschaftspolitischer Akteur im ländlichen Raum – Kritische Interventionen am Beispiel ausgewählter Orte in Mecklenburg-Vorpommern“ analysierte der Absolvent sechs Brachen entlang der Strecke zwischen Wismar und Neubrandenburg. Dort interpretierte er den Verlust politischer, kultureller und gesellschaftlicher Werte und reagierte mit architektonischen Eingriffen, die Leichtigkeit und Optimismus ausstrahlen. Eine selbst entworfene Ausstellungsstruktur, ergänzt durch Handskizzen, Fotos, Schriften und Aufzeichnungen, machte den Entwurf zudem räumlich erlebbar.
Kleiderhaufen, Betonschmuck, Kunst in Ton und Stresslöser
In den Design-Studiengängen gingen die DIA-Awards an vier Projekte – alle unterschiedliche Formate. Der Film „Kleiderberge in der Wüste“ verfolgt die Abfälle der Modeindustrie bis in die chilenische Wüste. Eine hervorragende dokumentarische und künstlerische Arbeit, die hoffentlich bald auch außerhalb der Hochschule zu sehen ist. Mit der Kollektion „Urbank“ bringt Schmuckdesign den Kontrast zwischen Glas und Beton zum Ausdruck: klare Kanten treffen auf freie, unkontrollierte Formen. Die Bachelorarbeit „Fight. Flight. Freeze.“ thematisiert dysregulierte Stressreaktionen. Bestehend aus einem Gurt, sensorischen Modulen und einer Wasserflasche zeigt die Produktkollektion, wie Design in Stressmomenten körpernahe Hilfe zur Selbstregulation bieten kann.
Erstmals vergab die Jury einen Sonderpreis. Er ging an die Serie „Zwischen Dingen“ – eine experimentelle Studie, die Ton als Material ausreizt, die Funktion von Objekten hinterfragt und als künstlerische Reflexion überzeugt.
DIA – das Kürzel für Design, Innenarchitektur und Architektur – steht für mehr als die räumliche Bündelung der Studiengänge. Es verweist auf die Spannweite der Methoden, Positionen und Synergien, die die Gestaltungslehre in Wismar prägen.
Die DIA-Preisträger*innen 2026 im Überblick
Architektur
- Namen: Abduljalil Baba Abdullahi, Abdallah Walid Mohammad Alzrikat, Eva Beatriz Armas Romero, Stuti Vijaykumar Bhoi, Niki Dadashi, Matthes Golz, Shubhanshu Jain, Nikita Hemant Jambavalikar, Parmida Khoshdani, Franz Kotte, Paul Lubinetzki, Shahrzad Sabzkoohi
- Titel der Projektarbeit: El Progreso Heritage Center, San Cristóbal, Galápagos, Ecuador
- Betreuer: Prof. Jan Blieske
Innenarchitektur
- Name: Marielle Kiessig
- Titel des Masterprojekts: Die Lückenküche
- Betreuer: Prof. Gerd Baron, Prof. Henning Schellhorn
Architectural Lighting Design
- Name: Berra Demirbas
- Titel der Arbeit: MaBar: Light as a Memory
Beste Abschlussarbeit
- Name: Ben Passow
- Titel der Masterthesis: Architektur als gesellschaftspolitischer Akteur im ländlichen Raum – Kritische Interventionen am Beispiel ausgewählter Orte in Mecklenburg-Vorpommern
- Betreuer*innen: Prof. Simon Takasaki-Lauw, Sabrina Lampe
Kommunikationsdesign und Medien
- Name: Jakob Fuss
- Titel der Projektarbeit: Mar Desierto Ropa Petróleo
- Betreuer: Prof. Stephan Schulz
Design, Studienrichtung Schmuck
- Name: Janka Ivanicova
- Titel der Projektarbeit: Urbank
Design, Studienrichtung Produkt
- Name: Julia Behrens
- Titel der Bachelorthesis: Fight. Flight. Freeze. Die gestalterische Übersetzung dysregulierter Stressreaktionen
- Betreuer: Prof. Stephan Schulz, Prof. Tom Hanke
DIA-Sonderpreis
- Name: Lasse Johannes Köhler
- Titel der Masterthesis: Zwischen Dingen