Studierende bauen ihren Campus: Der Coworking-Space LUCY

Aus einem Wettbewerb entsteht ein reales Hochschulgebäude, das Studierende seit vier Jahren begleiten – vom Entwurf bis zur Baustelle.

Die meisten Hochschulentwürfe verschwinden nach dem Semester auf Festplatten. An der Hochschule Mainz steht einer davon gerade im Rohbau. Das Projekt LUCY – ein Coworking-Space mit rund 400 Quadratmetern Nutzfläche – begleiten Studierende seit vier Jahren: vom Wettbewerb über die Planung bis auf die Baustelle, unter der Leitung von Prof. Gero Quasten.

Vom Wettbewerb auf die Baustelle

2022 schrieb die Hochschule Mainz den hochschulinternen Wettbewerb „students in the box“ aus. Gesucht war ein Ort zum Lernen, für Austausch und studentisches Arbeiten auf dem Campus. Die Jury vergab gleich drei erste Preise an Johanna Hofmann, Niklas König und Justus Nixdorf. Statt einen Entwurf auszuwählen, führte die Hochschule die prämierten Arbeiten zusammen. Aus den unterschiedlichen Ansätzen entstand ein gemeinsamer Entwurf – die Grundlage für LUCY.

Lernen im Maßstab 1:1

Nach dem Wettbewerb arbeiteten Studierende, Lehrende und Fachplanende den Entwurf weiter aus. Zeichnungen mussten in Bauteile übersetzt, Entwurfsideen mit konstruktiven Anforderungen abgeglichen werden. Der Spatenstich im Juli 2025 verdeutlichte den Baubeginn. Ein zentraler Prüfpunkt war die Gründung: Statt klassischer Betonfundamente kommen Schraubfundamente zum Einsatz, die den Eingriff in den Boden minimieren und vollständig rückbaubar sind. Dieses System erforderte zusätzliche Nachweise zur Tragfähigkeit sowie Abstimmungen mit Bodengutachten und Tragwerksplanung – und verlängerte den Planungsprozess, bevor die Ausführung freigegeben werden konnte.

Große Teile des Holzbaus entstanden in Vorfertigung. Parallel fertigten Studierende gemeinsam mit dem Zürcher Start-up re:matter Deckenelemente im Bauzelt auf dem Campus. Sie füllten Lehm in vorbereitete Deckenfelder, verdichteten das Material mit hydraulischen Stampfern und lagerten die Elemente anschließend in Räumen der Hochschule zwischen. Innerhalb von nur zwei Wochen stand die Holzkonstruktion. Derzeit bereiten Studierende die zentrale Stampflehmwand im Inneren des Gebäudes vor. Dafür planen und bauen sie passgenaue Holzschalungen. Die Fertigstellung ist für das Wintersemester 2026/27 vorgesehen.

Der Entwurf wächst weiter

Die studentische Mitarbeit endet nicht mit dem Rohbau. Während die Gebäudehülle fertiggestellt wird, beschäftigen sich andere Studierende bereits mit den zukünftigen Innenräumen. Im Wintersemester 2025/26 entwickelten sie Konzepte für Küche, Gebäudekern, Übergangszonen und gemeinschaftlich genutzte Bereiche. Die zentrale Frage: Wie eignen sich die späteren Nutzer*innen einen Raum an, den andere für sie entworfen haben?

Besonders konkret wurde die Arbeit „Students outside of the box" von Carla Flohr, Sebastian Kleinhans, Jana Arning und Laurin Hoffmann. Die Gruppe entwarf ein modulares Möbelsystem und schuf einen Prototypen im Maßstab 1:1 – Metallbau, Schweißarbeiten und Polsterung eingeschlossen. Wie zuvor auf der Baustelle musste sich jede Entscheidung am realen Objekt bewähren.

Reale Verantwortung

Im Projekt LUCY übernehmen Studierende Aufgaben, die sonst bei externen Planungsbüros liegen. Sie arbeiten an realen Bauteilen und an einem Gebäude, das sie später selbst nutzen werden. Diese enge Beteiligung ist im Hochschulbau eher Ausnahme. Viele Hochschulen stehen vor Sanierungen und Umbauten ihrer Gebäude. LUCY zeigt, wie sich solche baulichen Aufgaben in die Lehre einbinden lassen und liefert damit ein Modell, das über den Mainzer Campus hinausreicht.