September/ Oktober 2025
Technische Universität Berlin
Versuch, eine Platte in Brandenburg zu erfassen
Methodische Ansätze zur Untersuchung von industriellen Wohnbauten im ländlichen Raum Brandenburgs
Technische Universität Berlin
Master
05.05.2025
Architektur der Transformation, Prof. Nanni Grau / Making Matters, Wi.Mi. Marius Busch
QGIS, ArchiCAD, InDesign
Bei der Großtafelbauweise als Technologie im industriellen Wohnungs- und Gesellschaftsbau der DDR, umgangssprachlich Plattenbau, ging es nicht nur um reine Wohnraumversorgung, sondern um die gebaute Manifestation einer tief verankerten Ideologie. Christine Hannemann teilt die Ideologie der Platte in drei Teile: 1. Das Gleichheitspostulat, 2. Die sozialistische Kleinfamilie, 3. Technik- und Fortschrittsgläubigkeit.¹ Zusammengefasst könnte beschrieben werden, dass die anfangs versuchte Ausformulierung, möglichst vielen Menschen Zugang zu Wohnraum zu bieten, ausartete, um der sozialistischen Ideologie durch gebauten Raum Ausdruck zu verleihen: Menschen wurden durch und durch als gleich angesehen, somit hat jede*r auch den gleichen Anspruch auf den gleichen Wohnraum: die Zwei- oder Dreizimmerwohnung. Diese eignet sich weniger gut für Alleinstehende, für mehr Generationen in einer Wohnung oder für größere Wohngemeinschaften. Dafür beherbergt sie gut die sozialistische Kernfamilie, bestehend aus Vater, Mutter, Kind, Kind. Die Kernfamilie ist am wenigsten dazu bereit Widerstand zu leisten und daher eine harmlose Form des Zusammenlebens für die Herrschenden. Zwischen 1958 und 1990 wurden in der DDR 2,2 Millionen Wohnungen gebaut.² Der Plattenbau ist daher eine der wenigen materialisierten sozialistischen Lösungen, um die angestrebte Gleichheit sichtbar zu machen, was aber dazu führte, dass der Mensch und damit einhergehend die Bearbeitung von Wohnungs- und Freiraum-Grundrissen immer mehr vernachlässigt wurde, zu Gunsten einer noch schnelleren, kostengünstigeren und rationalisierteren Bauweise. Aus den Ziegeln wurden Großblockformate, bis daraus Tafel- und Plattenbauweise entstand. Die industriell gefertigten Wohnbauten begrenzten sich nicht auf Großsiedlungen und Städte, sondern wurden seit 1958 auch in den Dörfern gebaut. Hier wurden die Platten meist von den LPG Arbeiter*innen selbst errichtet, die diese später bewohnten, während sie dann in den LPG?s beschäftigt waren. Nach 1990 wurden große Teile der LPG?s ihren ursprünglichen Besitzer*innen zurückgegeben oder an Investor*innen aus dem Westen verkauft. Ähnlich wurde mit den dazugehörigen Plattenbauten umgegangen. Die meisten sind heute in Besitz von Genossenschaften.
Der Versuch, eine Platte in Brandenburg zu erfassen, gliedert sich in drei Teile:
1. Quantitative Erfassung aller industriell gefertigter Wohnbauten, also Plattenbauten und deren Vorgängerbauten.
2. Qualitative Erfassung der Typenreihen Q3, L1 und P1 des Wohnungsbaukombinats der DDR.
3. Eingriffe in den Bestand bei den Typenreihen Q3, L1 und P1 zur Behebung von Problemen der Skalierung.
¹ Hannemann, Christine. Die Platte. industriealisierter Wohnungsbau in der DDR. 3. Aufl. Architext 4. Berlin: Schiler, 2005, S.107-124.
² Stallknecht, Wilfried. Entwerfen im System. Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung e.V. Erkner: 2009, S.14.
Text von Lukas Strasser.