September/ Oktober 2025
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
ADD ON +
Reimagining Highrise Housing in New Belgrade
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Bachelor
17.07.2025
Lehr- und Forschungsgebiet Bauplan, Univ. Prof. Sabine Brück-Dürkop
ArchiCAD, Adobe CC, Blender
Während der Exkursion nach Neu-Belgrad fiel eine Beobachtung besonders ins Auge: Die meisten Balkone der bestehenden Wohnhochhäuser wurden über die Jahre zugebaut. Dieses Phänomen war keine Ausnahme, sondern die Regel - Ausdruck eines Bedürfnisses nach mehr Raum und individueller Anpassung. Ausgehend von dieser Idee wurde ein Hochhaus entwickelt, das den Wohnraum nicht als starre Einheit versteht, sondern als wandelbare Struktur, die mit ihren Bewohner*innen mitwächst. Inspiriert von Alejandro Aravenas partizipativen Wohnmodellen und den klar gegliederten Typologien klassischer Einfamilienhäuser besteht jede Wohnung aus Split-Level-Einheiten, die sich vertikal stapeln. Dabei entstehen zwischen den versetzen Ebenen Freiräume, die einerseits als offene Erschließung, andererseits als potenzielle Erweiterungsflächen gedacht sind. Konstruktiv ergibt sich ein Schottenbau, der im Erdgeschoss über zwei Türme erschlossen wird: ein Erschließungsturm in Verbindung mit der Lobby sowie ein Rettungsturm mit Sicherheitstreppenhaus und Feuerwehraufzug. Im typischen Einfamilienhaus hat man oft die Struktur: Straße, Vorgarten, Haus und Hintergarten. Diese Abfolge wird hier in Form eines großzügigen Laubengangs übersetzt, der die Rolle von Straße und Vorgarten übernimmt - Streets in the Sky. Die Wohnungen orientieren sich im Grundriss an den benachbarten Wohnhäusern in Block 19a. Trotz einheitlicher Grundstruktur bleibt die innere Organisation flexibel: Die Zimmeranzahl variiert je nach Bedarf. Angekommen im Wohnbereich öffnet sich ein großer, fließender Raum mit Küche, Ess- und Wohnzimmer. Jede Wohneinheit schließt mit einer Terrasse ab, die als potenzielle Erweiterungsfläche konzipiert ist. Sie kann je nach Lebenssituation in zusätzlichen Wohnraum transformiert werden. Ob als großer Garten, wie im Einfamilienhaus, oder zusätzliches Zimmer, Wintergarten oder Atelier. So entsteht ein flexibles System, das individuelle Bedürfnisse aufgreift und räumlich weiterdenkt. Vertikal schließt das Gebäude mit einem Schwimmbad auf dem Dach ab. Dieses fügt sich in die durch Halbgeschosse definierte Struktur ein. Die versetzten Ebenen ermöglichen einen Schwimmbereich mit Nicht-Schwimmer-Becken, ein 25-Meter-Bahnen-Becken und eine Liegefläche auf dem Turm mit Zugang zum Außenraum. Wie in Neu-Belgrad erzählen auch hier die Fassaden nach Jahren ihre eigenen Geschichten – Die individuelle Aneignung durch die Bewohner*innen wird sichtbar und prägt die Identität des Gebäudes nach außen hin.
Text von Büsra Mehmed.