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September/ Oktober 2025

Delft University of Technology

Repariert die Zwischenstädte!

Eine Postwachstums-Perspektive in urban-ruralen Regionen

von Hai Tom Nguyen

Hochschule:

Delft University of Technology

Abschluss:

Master

Präsentation:

25.06.2025

Lehrstuhl:

Explore Lab - Christopher de Vries

Software:

ArchiCAD, QGIS, Twinmotion, Affinity Publisher

Zu groß für ein Dorf, zu klein für eine richtige Stadt. So werden oft Kleinstädte beziehungsweise Zwischenstädte beschrieben und ähnlich wie die ruralen Regionen, leiden auch diese an einer schrumpfenden Bevölkerungszahl und einhergehend auch den Verfall des Gebäudebestands. Vor allem in den neuen Bundesländern, zeigen Bevölkerungsprojektionen, dass urban-rurale Regionen in den nächsten Jahren weiterhin schrumpfen werden. Planer*Innen und Architekt*Innen stehen somit vor der speziellen Herausforderung, für eine Zukunft ohne Wachstum planen zu müssen.

Zwischenstädte umdenken
Der erste Forschungsabschnitt überdenkt die räumliche Entwicklung in schrumpfenden Stadt-Land-Regionen aus der Perspektive der Postwachstumsdebatte. Zuerst wird die aktuelle Situation von Zwischenstädten in ganz Europa kenntlich gemacht und am Beispiel von ostdeutschen Kleinstädten wird klar, dass diese repariert werden müssen. Mithilfe von Ansätzen verschiedener Theoretiker und Architekten wird dann die Signifikanz dieser Orte als zentrales Bindeglied zwischen Stadt und Land aufgearbeitet. Mit der Einführung der Postwachstumsdebatte, wird schließlich klar, dass die schrumpfenden Zwischenstädte keine wachstumsorientierten Lösungen auf Dauer unterhalten können. Dementsprechend wird es zur Notwendigkeit, sich auf menschliches Wohlergehen, ökologische Balance und Suffizienz zu fokussieren. Die Erkenntnisse werden in einem räumlichen Gestaltungsrahmen zusammengeführt, der in ein territoriales Netzwerkmodell mündet, um schrumpfende Regionen miteinander zu verknüpfen.

Zwischenstädte reparieren

Der Entwurf überträgt diesen Gestaltungsrahmen auf das Fallbeispiel meiner Heimatstadt Stadtroda. Grundlage bildet ein Konzept, das auf Dekonstruktion und Wiederverwendung setzt. Aus den Bauteilen einer zum Abriss vorgesehenen Typenschule aus der DDR Zeit (Typ Erfurt TS 69) entsteht eine prototypische Reparaturschule, die Gemeinschaftswerkstatt, Lehrstätte und Bauteilbörse miteinander verbindet. Ziel ist es, kreislauffähige Baupraktiken unmittelbar zu fördern und zu vermitteln, indem ein Materialtauschknoten mit integrierter Werkstatt sowie Unterrichtsräumen eingerichtet wird. Auf rund 300 m² verdeutlicht das Projekt die wachsende Bedeutung von Pflege und Instandsetzung urban-ruraler Regionen –  insbesondere durch die Umsetzung einer zirkulären Strategie, die eine gemeinschaftsorientierte Umgebung für Reparatur und Erhalt schafft. Als Spenderbau dient eine stillgelegte Grundschule, deren serielle Plattenbauweise aus der DDR-Zeit ein breites Repertoire vorgefertigter, standardisierter Betonelemente für die Wiederverwendung bietet. Diese Elemente bilden Fundament, Tragstruktur und Fassade, während neu eingebrachte Materialien überwiegend regenerativ und biobasiert sind. In Verbindung mit lokalen Bautraditionen, dem Fachwerk, steht das Vorhaben zugleich als Zeugnis ortssensibler Baukulturen und als Beitrag zu einer suffizienzorientierten Gesellschaft.

Text von Hai Tom Nguyen.