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September/ Oktober 2025

KTH Stockholm

Thresholds of Togetherness

Solidarische Szenarien für Paris Boulevards

von Lara Diederichs

Hochschule:

KTH Stockholm

Abschluss:

Master

Präsentation:

03.06.2025

Lehrstuhl:

Studio Oases - Marcelo Rovira Torres

Software:

Autocad, Rhino, Photoshop, Indesign, Twinmotion

Dieses Projekt untersucht, wie die Haussmann'schen Boulevards entlang der Métro Linie 2 in Paris zu Orten der Solidarität werden können. Es schlägt eine neue Form öffentlicher Infrastruktur vor, die Fürsorge und Gastfreundschaft ins Zentrum stellt und Räume der Würde, Begegnung und Zugehörigkeit schafft.

Die drei Orte Rome, Stalingrad und Avron dienen als exemplarische Testfelder für unterschiedliche urbane Situationen: der repräsentative Boulevard mit Platanen, der komplexe Verkehrsknotenpunkt und das wohnungsnahe Quartier. Die Interventionen sind so konzipiert, dass sie sich in ein wachsendes Netzwerk solidarischer Infrastruktur entlang der Linie 2 einfügen, das langfristig ergänzt und skaliert werden kann.
In Rome entstehen eine modulare Gepäckaufbewahrung nahe der Metroausgänge sowie ein fest installiertes Gemeinschaftszentrum auf einem bislang unzugänglichen Belüftungsbauwerk. In Stalingrad reagiert die Intervention auf den offenen Raum unter dem Hochbahnviadukt und ergänzt Duschstationen und eine lineare Struktur, die den Ort gliedert, ohne ihn abzuschließen. In Avron verwandelt eine begrünte Plattform den Mittelstreifen des Boulevards in einen aktiven Aufenthaltsraum mit Ausstellungsflächen, Arbeitsbereichen und sanitären Anlagen.

Die modularen Kleinmodule XS (Gepäckaufbewahrung) und S (Dusche) sind transportierbar und können flexibel erprobt werden, bevor sie dauerhaft installiert werden. Die Community Hubs sind feste Anlaufpunkte und bieten langfristig Versorgung, Ruhe und Sichtbarkeit. Die Gestaltung ermöglicht es, dass Menschen ohne festen Wohnsitz, Anwohnende und Stadtbesucher die Orte gleichermaßen nutzen können. So entstehen hybride Räume, in denen Versorgung und Teilhabe ineinandergreifen.
Der Boulevard wird nicht mehr nur als Verkehrsfläche gelesen, sondern als gemeinsame Ressource. Architektur erscheint hier nicht als abgeschlossenes Objekt, sondern als offenes System, das soziale Dynamiken sichtbar macht. Analysen zu Einkommensstruktur und bestehender Infrastruktur zeigen, dass in Bezirken mit niedrigerem Einkommen Lücken besonders groß sind – genau dort setzen die Interventionen an.
Das Projekt versteht sich als übertragbarer Beitrag zu einer Stadtentwicklung, die öffentlichen Raum nicht nur funktional, sondern auch fürsorglich denkt. Es zeigt, dass Architektur Schwellen senken, Solidarität ermöglichen und den Boulevards eine neue Rolle im sozialen Gefüge der Stadt geben kann.

Text von Lara Diederichs.