September/ Oktober 2025

Hochschule Wismar

COMMONS.

Ein Prototyp für studentisches Wohnen der Zukunft

von Lucy Sophia Doberitz

Hochschule:

Hochschule Wismar

Abschluss:

Bachelor

Präsentation:

02.07.2025

Lehrstuhl:

Gestaltung Prof. Dipl. -Ing. Martin Wollensak und Prof. Dipl. -Ing. Philipp Quack

Software:

ArchiCAD, InDesign, Photoshop, V-Ray

Das studentische Wohnen steht vor einem Umbruch. Klassische Wohnheime folgen meist einem Typus: endlose Flure, kleine Zellen, geringe Aufenthaltsqualität. Was fehlt, sind Orte des Austauschs, flexible Wohnformen und Räume, die auf die veränderte Realität von Studium und Ausbildung reagieren. Digitale Lehre, Homeoffice und individuelle Lebensläufe haben den Alltag vieler Studierender zunehmend in die eigenen vier Wände verlagert. Vor diesem Hintergrund wurde der Entwurf in Zusammenarbeit mit der Stadt Schwerin entwickelt, die in Zukunft eine stärkere Rolle als Universitätsstadt anstrebt. Gerade hier treten die beschriebenen Herausforderungen besonders klar hervor: Es fehlt an sozialer Infrastruktur –  von einer Universitätsbibliothek über studentische Treffpunkte bis hin zu Versorgungsangeboten im Quartier. Damit wird Schwerin zum exemplarischen Ausgangspunkt für die Frage, wie studentisches Wohnen als soziale Infrastruktur neu gedacht werden kann. Der Entwurf zeigt eine bewusste Neubewertung. Er versteht sich nicht als Unterkunft, sondern als Prototyp –  ein Vorschlag für eine neue Generation von Wohnheimen, die sich als soziale Infrastruktur und aktivierende Stadtbausteine begreifen. Die Formfindung orientiert sich an der Maßstäblichkeit der Wismarschen Straße. Aus einem gemeinsamen Sockel wachsen vier differenzierte Baukörper. Diese Gliederung bricht den Block auf, verleiht Rhythmus und macht die einzelnen Wohnformen nach außen ablesbar. Der Sockel bildet eine öffentliche Schicht: ein Café als Treffpunkt, ein Späti/Kiosk als Reaktion auf fehlende Nahversorgung und eine Projektwerkstatt, die als Ersatz für universitäre Infrastruktur dient. Über ein Split-Level mit Sitztreppe öffnet sich der Sockel zum Garten und schafft Sichtbeziehungen zwischen Stadt und Grünraum. Das Wohnprogramm ist bewusst vielfältig und bildet den Kern des Entwurfs. Vier Module repräsentieren unterschiedliche Lebensmodelle: Maisonette-WGs für kleinere Gruppen, Clusterwohnungen für größere Gemeinschaften, kompakte Einzelapartments für unabhängiges Wohnen sowie ein offenes Cluster als experimentelles Format. Diese Typologien spiegeln die Vielfalt studentischer Lebensrealitäten –  vom kurzfristigen Aufenthalt bis zum gemeinschaftlichen Langzeitwohnen. Der verbindende Laubengang auf der Gartenseite dient dabei nicht nur der Erschließung, sondern als Begegnungszone mit hoher Aufenthaltsqualität. Rückzug und Gemeinschaft werden so räumlich balanciert, ohne Zwang, aber mit vielen Angeboten. Besondere Orte verstärken das kollektive Leben: ein vertikales Gewächshaus als grüner Erschließungsraum, eine Dachterrasse mit Open-Air-Kino sowie ein Sportfeld auf dem Dach. Diese Elemente geben dem Gebäude identitätsstiftende Punkte, die zugleich ins Quartier ausstrahlen. So entsteht ein Ort, der über das Wohnen hinausgeht: ein lebendiges System, das soziale Schnittstellen schafft, individuelle Lebensrealitäten anerkennt und sich als aktivierender Stadtbaustein ins Quartier einfügt.

Text von Lucy Sophia Doberitz.