September/ Oktober 2025
Sportzentrum Windelsbleiche
Ein dritter Ort im suburbanen Raum
Master
09.04.2025
Jun.-Prof. Dipl.-Ing. Tim Simon-Meyer, Lehrstuhl für Konstruktives Entwerfen und Erproben
Archicad, Blender, Photoshop, Adobe
Im Rahmen der Abschlussarbeit wurde eine Brachfläche im Bielefelder Stadtteil Windelsbleiche neu gedacht: Ein ehemaliges Industrieareal mit Tennishalle, Verwaltungsgebäude und Parkplatz soll durch ein vielfältig nutzbares Sport- und Begegnungszentrum reaktiviert werden. Ziel ist die Grundlage für ein lebendiges Quartier, das auf aktuelle gesellschaftliche und städtebauliche Herausforderungen wie Wohnraummangel, Bewegungsförderung und soziale Teilhabe reagiert.
Das Projekt schafft einen offenen, barrierefreien Treffpunkt, der bestehende Strukturen einbindet und durch neue Funktionen ergänzt. Die Architektur folgt dem Prinzip der Polyvalenz: Räume sind flexibel nutzbar, offen gestaltet und laden zur Aneignung durch verschiedene Nutzergruppen ein. Sportflächen, Kletterhalle, Begegnungszentrum und Grünräume fördern Bewegung, Begegnung und Gemeinschaft – unabhängig von Alter oder Vereinszugehörigkeit. Die Analyse des suburbanen Kontextes hat typische Merkmale eines Vorortes gezeigt: nach innen gekehrte Sportaktivitäten, wie private Sportflächen auf Garagenauffahrten, sowie öffentliche Räume, die vorrangig konsumorientiert und ohne Aufenthaltsqualität sind. Ein Äquivalent zum städtischen Platz fehlt. Die entworfene Raumstruktur schafft Orte mit unterschiedlichen Qualitäten für eine heterogene Nutzergruppe. Die Bestandsgebäude werden durch gezielte Eingriffe zu einem Ensemble zusammengeführt und bilden somit die Grundlage für ein robustes Quartierszentrum. Die vorhandene Tennishalle und die neue Kletterhalle als Mehrzweckbau werden durch eine klare Wegeführung mit dem Verwaltungsgebäude verbunden. Entlang dieses Durchgangs befinden sich vielseitige Sportflächen, ergänzt durch begrünte Zwischenräume für Erholung und informellen Sport. Die versetzte Anordnung der Funktionsbereiche gliedert das Gelände und erzeugt differenzierte Zonen. Der Neubau besteht aus einem Stahlskelett mit Betonfertigteildecken und ist in zwei Baukörper untergliedert: die Sport- und Mehrzweckhalle sowie den Erschließungsbau. Letzterer enthält u.a. eine Ausleihstation für Sportgeräte und erlaubt eine flexible Nutzung der Halle. So kann das Erdgeschoss je nach Tageszeit unterschiedlich bespielt werden. Mit einer lichten Höhe von sieben Metern ist das Erdgeschoss optimal als Sporthalle nutzbar, kann jedoch auch für kulturelle oder nachbarschaftliche Veranstaltungen dienen. Ein zentraler Bestandteil des Entwurfes ist die Idee polyvalenter Räume – also Räume, die nicht eindeutig festgelegt sind und dadurch kreative Nutzungen ermöglichen. Besonders die Kletterhalle mit ihrer transparenten Fassade und dem vorgelagerten Dach betont den Übergang zwischen Innen und Außen. Sie fungiert als Membran zwischen dem neuen Sportgelände und der multifunktionalen Halle – ein fließender Raum entsteht. Weitere Elemente auf dem Grundstück tragen zur Mehrdeutigkeit bei: Der Durchwegungsstrang, der dem natürlichen Höhenverlauf folgt oder auch die terrassierten Sportflächen, welche das Gelände strukturieren.
Text von Bruno Weitkamp.