Nächstes Projekt 08/20  

September/ Oktober 2025

Technische Universität Darmstadt

Børsen Hjemsted for Dansk Håndværk

alte Mauern - neue Zukunft

von Eva Rosalia Neveril

Hochschule:

Technische Universität Darmstadt

Abschluss:

Master

Präsentation:

18.02.2025

Lehrstuhl:

Prof. Dipl.-Ing. M.Arch. Felix Waechter

Software:

ArchiCad, InDesign, V-Ray, Photoshop

Das Börsengebäude wurde über Jahrhunderte immer wieder verändert und den jeweiligen Nutzungen angepasst, wodurch auch Qualitäten des Ortes verloren gingen. Vor allem durch die stark befahrene Straße entstand eine Zäsur zum Stadtraum und dem Kanal, der das Gebäude einst umspülte. Die offene Erdgeschossstruktur wurde durch eine grundlegende Überformung weitgehend negiert.

Der Brand hat zum einen eine Wunde hinterlassen, zum anderen aber neue Potenziale aufgedeckt. Grundlage des Konzepts bildet also die Idee, den ehemals öffentlichen Ort des Handels, des Austauschs und der Gesellschaft zurückzuerobern und neu zu beleben. Dafür sollen der Bestand, die Ruine und der Stadtraum genutzt und individuell gestaltet werden, um einen Ort entstehen zu lassen, an dem alt und neu, introvertierte und extrovertierte Räume, Homogenität und Kontraste aufeinandertreffen, überlappen und so ein neues Raumgefüge entsteht.

Der vom Feuer verschonte Gebäudeteil erhält eine neue Nutzung und eine bessere Zugänglichkeit: Im Erdgeschoss entsteht ein fluide Gefüge aus offene Werkstätten für Holz, Metall, Textil und Keramik, ergänzt durch Arbeits- und Atelierplätze. Im ersten Geschoss befindet sich die Verwaltung und die Restaurationswerkstatt mit Kursräumen. Unter dem historischen Dach entstehen kleine Wohnungen mit Gemeinschaftsbereichen und einer offenen Atelierfläche für Wandergesell*innen und Künstler*innen.

Das Herzstück bildet die Ruine der Handelsbörse, die als neue „Natur“ begriffen wird und die Veränderung des Gebäudes dokumentiert, annimmt und konserviert. Ein Neubau schmiegt sich an die hintere Ruinenwand, überspannt Teile des Bestands und greift die ursprüngliche Offenheit des Erdgeschosses auf. Die Ruine wird zugänglich gemacht und zu einem geschützten Freiraum inmitten der Stadt, nutzbar für Veranstaltungen oder Ausstellungen.

Die Neuinterpretation des Haupteingangs, der über die historische Rampe erreichbar ist, bildet ein langer Steg, der die Ruine überspannt und einen Blick auf Kanal und Stadt ermöglicht. Er erschließt das erste Obergeschoss des Neubaus, wo sich das Foyer und Ausstellungsflächen befinden. Im zweiten Obergeschoss liegt das nach außen geschlossene Schaulager.

Parallel zum Börsengebäude, entlang der Kanalkante, setzt sich ein leichtes Stadtdach. Es bietet ein konsumfreies Angebot und stärkt die Zugänglichkeit zum Wasser. In seiner Verlängerung liegt die Bürger*innenkantine, die den Platz vor der Börse belebt.

Der Entwurf spielt mit Kontrasten: Der Stahlskelettbau steht mit seinen glatten roten Oberflächen im Gegensatz zu den rauen alten Mauern. Lediglich die vertikalen Verbindungselemente aus Stahlbeton stoßen bis zum Boden durch und bilden ein skulpturales Ensemble innerhalb der Ruinenmauern. Die verglasten Bereiche im ersten Obergeschoss verstärken die Visualisierung der Überlagerung verschiedener Schichten. Die Fassade des zweiten Obergeschosses aus Aluminiumwabenplatten spielt mit dem Kontrast und integriert zugleich die Farben der Umgebung.

Text von Eva Rosalia Neveril.