September/ Oktober 2025
Technische Universität Berlin
Solidarisch(e) Räume gestalten?
Urbane Gestaltungspraxis zwischen Menschen, Räumen, Wissen, Architektur und Design am Beispiel des Kiosk of Solidarity
Technische Universität Berlin
Master
13.06.2025
Habitat Unit - Dr. Moritz Ahlert
Archicad, Adobe Creative Suite
Berlin ist dreckig, hektisch und anonym – jede*r lebt scheinbar für sich: selten miteinander, manchmal gegeneinander, oft nebeneinander. Und irgendwo in dieser Stadt, zwischen U-Bahn-Ausgang und Wohnblock, steht er – der Kiosk of Solidarity. Ein metallischer Wagen auf Rädern, fast unscheinbar, wenn er geschlossen im Stadtraum steht. Doch im geöffneten Zustand ist da etwas, das irritiert: ein gelbes Banner, mehrsprachige Schriftzüge, Menschen bleiben stehen, schauen, stellen Fragen.
Ein Name in mehreren Sprachen, ein Ort, der nicht bleibt, sondern sich bewegt. Was auf den ersten Blick wie eine charmante Absurdität wirkt, ist in Wirklichkeit eine Einladung: zum Gespräch, zur Teilhabe, zur Auseinandersetzung mit der Frage, was Stadt im besten Fall sein kann und für wen.
Diese Masterarbeit widmet sich dem Kiosk of Solidarity als urbanem Praxisformat. Sie untersucht, wie ein temporärer, mobiler Kiosk als Werkzeug für solidarische Stadtgestaltung fungieren kann – zwischen Gestaltung und Aktivismus, Forschung und Alltag. Auf 370 Seiten dokumentiert, analysiert und reflektiert die Arbeit eine Vielzahl an Perspektiven: Interviews, Mappings und theoretische Einordnungen bilden ein dichtes Geflecht aus Raum, Akteur*innen und Praktiken.
Im Zentrum steht die Frage, welche Bestandteile die Gestaltungspraxis des Kioskes of Solidarity prägen und wie diese zu seiner Funktion als Raum für urbane Praxis und solidarische Wissensproduktion beitragen. Gestaltung erscheint dabei nicht als abgeschlossener Entwurf, sondern als kollektiver Aushandlungsprozess, der sich in situativen Handlungen, Gesprächen und Begegnungen zeigt. Der Kiosk wird nicht nur als architektonisches Objekt verstanden, sondern als soziales Gefüge, das niedrigschwellig, wandelbar und offen für Widersprüche ist und genau darin sein Potenzial entfaltet.
Zwischen Diskurs-Heft und Mapping-Heft entsteht eine mehrdimensionale Erzählung darüber, wie Stadt auch gedacht, gemacht und geteilt werden kann – solidarisch, temporär und gemeinsam.
Text von Melina Haseleu.