September/ Oktober 2025
Serie 2025 - Wandelhäuser
Eine optimistische Wiederaufbaustudie
Technische Universität Darmstadt
Master
15.07.2025
Entwerfen und industrielle Methoden der Hochbaukonstruktion | Prof. i.V. Martin Baur & Florian Latsch
ArchiCAD, Affinity Photo
In der Ukraine hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine spezifische Kultur der Multifunktionalität und des Umbaus entwickelt. Bedingt durch die Wohnraumknappheit in der Sowjetunion war es selbstverständlich, Zimmer nicht ausschließlich monofunktional zu nutzen, sondern im Tagesverlauf unterschiedlich zu bespielen. Eine weitere Besonderheit stellt die hohe Eigentumsquote dar, die in einer deutlich geringeren Mobilität resultiert. Anstatt mit sich verändernden Lebensumständen auch die Wohnung zu wechseln, wird die eigene Wohnung umgebaut, werden neue Zimmer abgetrennt oder wieder zusammengelegt.
Anknüpfend an diese Praxis eröffnen die Wandelhäuser der Serie 2025 Spielräume zur Aneignung und Anpassung der eigenen Wohnung. Die robuste Struktur aus Kalkstein knüpft an die lokale Bautradition an und bietet eine dauerhafte Alternative zu den vorgespannten Stahlbetonfertigteilen der Serie 94. Diese sind in ihrer optimierten Bauweise zwar äußerst effizient, jedoch in ihrer Dauerhaftigkeit begrenzt und genügen nur unzureichend den klimatischen Anforderungen.
Schotten aus großformatigen Blöcken, sägerau aus dem Steinbruch geliefert und ohne Zwischenlagerung vermauert, bilden die Tragstruktur der Serie 2025. Der Einsatz von Kappendecken, statt der üblichen Stahlbetonflachdecken, ermöglicht das Wiederverwenden relativ minderwertiger Trümmersteine und spart damit nicht nur Geld, sondern reduziert auch den CO2-Fußabdruck. Definierte Durchbrüche in den gemauerten Schotten, flexible Deckenfelder in der dienenden Zone der Grundrisse und eine zweiseitige haustechnische Erschließung der Wohneinheiten gewährleisten die Wandelbarkeit der massiven Struktur. So entstehen auf der Grundlage zweier Basiseinheiten neun verschiedene Wohnungsgrößen, deren Zuschnitt sich im Laufe eines Lebens mehrfach verändern lässt.
Vorgehängte Holzrahmenelemente bilden die Hülle der neuen Typenbauten. Fenstergrößen, Sonnenschutz und die Materialität lassen sich an die klimatischen Bedingungen und die Verfügbarkeit von Baustoffen vor Ort anpassen. Gleichzeitig bleiben so Gestaltungsspielräume erhalten, die der drohenden Monotonie serieller Bauten entgegenwirken. Selbsttragende und in die Schotten rückverankerte Pfeiler aus Kalkstein verweisen bildhaft auf die tragende Struktur und rhythmisieren die Fassade.
Text von Clemens Ziermann.