September/ Oktober 2025
Technische Universität Graz
Verwobene Lebensräume
Eine postindustrielle Sukzession der Spiegelfabrik Mannheim als Quartier der Koexistenz
Technische Universität Graz
Diplom
12.02.2025
Institut für Architektur und Landschaft | Univ.-Prof. Dipl.-Ing. MLA MDesS Harvard Klaus K. Loenhart
Vectorworks, Illustrator, Photoshop, InDesign, Lumion
Diese Masterarbeit entwickelt einen paradigmatischen Ansatz für eine zukunftsfähige Stadtplanung. Sie thematisiert die Abkehr von einer ausschließlich anthropozentrischen Sichtweise in Architektur und Städtebau. Während bisher vor allem menschliche Bedürfnisse im Mittelpunkt standen, begreift der Ansatz Städte als Lebensräume, die gleichermaßen von mehr-als-menschlichen Akteuren – wie Tieren, Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen – genutzt werden. Ziel ist es, die Grenzen zwischen „menschlichem Raum“ und „Naturraum“ aufzulösen und Übergangsräume zu schaffen, die eine nachhaltige Koexistenz ermöglichen.
Als Untersuchungsraum dient ein 42 Hektar großes Areal einer stillgelegten Spiegelfabrik in Mannheim, welches bereits zur Hälfte bewaldet ist und erhebliches ökologisches Potenzial aufweist. Hierfür wurde eine Entwurfsstrategie entwickelt, die auf einem dynamischen Prozess basiert: Im kleinen Maßstab entstehen unterschiedliche Atmosphären durch das Zusammensetzen einzelner
„Werkzeuge“ eines eigens erstellten Werkzeugkastens, die sich anschließend im großen Maßstab zusammenfügen lassen. So entstehen vielfältige Übergangsräume zwischen gebauten Strukturen und Vegetation, aus denen sich individuelle Atmosphären entwickeln. Dabei werden nicht nur wertvolle bestehende Waldstrukturen erhalten, sondern auch vorhandene Gebäudestrukturen adaptiv weitergenutzt. Verdichtet wird das Quartier durch neu gestaltete Waldräume sowie zeilenförmige Wohngebäude, die als Übergänge zwischen unterschiedlichen Atmosphären fungieren.
Die Entwurfsstrategie verfolgt nicht das Ziel eines fertigen Entwurfs, sondern entwickelt einen architektonischen Ansatz, der Raum für Wachstum lässt. Dieser fördert das gemeinsame Leben aller Akteure und eröffnet die Möglichkeit, dass Menschen und mehr-als-menschliche Akteure in nachhaltiger Koexistenz miteinander leben können.
Text von Katrin Neumann und Mara Lang.