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Januar / Februar 2024

Universität Stuttgart

Resilienz im Hochgebirge

Traditionelles Erbe im Einklang mit moderner Baukunst als Antwort auf den Klimawandel

von Jan Nüske

Hochschule:

Universität Stuttgart

Abschluss:

Master

Präsentation:

05.12.2023

Lehrstuhl:

Lehrstuhl für Nachhaltigkeit, Baukonstruktion und Entwerfen, Erstprüfer: Prof. Ludloff, Zweitprüfer: Prof.Schwarz

Rubrik:

Freizeit- und Sportbauten

Software:

Archicad, Adobe Photoshop, Adobe InDesign

In den vergangenen Jahren hat die Häufigkeit der Extremwetterereignisse immer mehr zugenommen. Die Umwelteinflüsse durch den Klimawandel sind ein Thema welches uns alle betrifft. Im Hochgebirge ist die Klimaerwärmung unmittelbar als erstes spürbar. Der Permafrostboden im hochalpinen Raum fängt an aufzutauen. Einige Berghütten sind in naher Zukunft von dieser Problematik betroffen. Die eigene Abwärme strahlt durch ihre steinernen Fundamente in den Boden hinab und beschleunigt den Prozess des Auftauens. Es braucht Lösungsansätze für die Hütten der Zukunft hinsichtlich Bestand und Gründung:

Der fiktive Entwurf befasst sich mit der Stüdlhütte (2801m) am Großglockner. Seit 1868 wurden einige Erweiterungen und Aufstockungen umgesetzt. Der aktuelle Bestand ist gerade einmal 30 Jahre alt und abrutschgefährdet. Ein Neubau ist in naher Zukunft unumgänglich. Die Verwendung des Bestands ist nachhaltig und spart den Helikopter. Mit Hilfe der Bestandsbaupläne wurde ein Bauteilkatalog angefertigt. Dieser stellt das Material für den innovativen Neubau zur Verfügung.

Das Konzept besteht aus der Kombination von einem Haupthaus mit mehreren Biwaks.

Nur das Haupthaus ist an die Infrastruktur angeschlossen und beheizt. Die warme Grundfläche wurde weitestgehend auf den Gastraum mit Küche, die Nutzräume, sowie die Unterkünfte der Wirtsleute reduziert. Die wärmeabstrahlenden Funktionen liegen im inneren Kern und erhitzen die umliegenden Räumlichkeiten indirekt - Zwiebelprinzip. Richtung Süden ist die Fassade offen gestaltet und durch das Dachfenster im Gemeinschaftsraum wird die indirekte Wärme eingefangen. Somit ist der benötigte Energieaufwand reduziert. Die Bauzeit ist durch die Größe ebenfalls minimiert, was in den kurzen Bausommern von Vorteil ist.

Die ungeheizten Biwaks dienen nur als Schlafstätten für die Wanderer und erwärmen sich durch das Dachfenster. Ihre kurze Bauzeit ermöglicht eine schrittweise Umsetzung des Entwurfs. Je nach Saison und Auslastung müssen nicht alle geöffnet werden. Sie sind leicht auf-, rück- und umbaubar. Im Notfall müssen nur einzelne Schutzhütten versetzt werden und nicht das gesamte Ensemble.

Das Gebäude steht auf 3-Punkten, wodurch ein in sich statisches System entsteht. Ein Gerüst bildet eine Art Tisch für den variablen Leichtbau und gibt seine Last gleichmäßig an die Fundamente weiter. Dadurch entsteht ein 6-Eck, welches alle Kräfte der äußeren Umwelteinflüsse in den Kern leitet. Die kompakte Form bietet kaum Angriffsfläche.

Die Dimensionen des Tragwerks sind durch die Bestandshölzer gegeben. Die Verbindungen orientieren sich am traditionellen europäischen und japanischen Handwerk. Sie sind auf Zug und Druck beanspruchbar und fungieren leimfrei. Dies ermöglicht es, das gesamte Bauwerk abzubauen und daneben wieder zu errichten. Auch die kreuzweise verschraubten Bohrpfähle der Fundamente können rückstandslos entfernt werden, damit im Nationalpark keine Hinterlassenschaften zurückbleiben - Resilienz durch Anpassung im Steinmeer.
Text von Jan Nüske.