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Januar / Februar 2024

Leibniz Universität Hannover

Neues Geomatikum

Identitätsstiftende Architektur für einen urbanen Campus

von Benjamin Pohl, Luca Hopf

Hochschule:

Leibniz Universität Hannover

Abschluss:

Bachelor

Präsentation:

16.01.2024

Lehrstuhl:

Institut für Entwerfen und Gebäudelehre - Studio Kempe Thill

Rubrik:

Bildungsbauten

Software:

ArchiCad, AdobeAI/PS/ID/LR, D5 Render

GRUNDHALTUNG
Die Langlebigkeit von gebauter Architektur begreifen wir als Kern der Debatte um Nachhaltigkeit, sie kann eine Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit sein, aber z. B. auch auf wirtschaftliche Krisen der Zukunft. Im Grunde sollten ArchitektInnen mehr über Architektur sprechen und kritisch hinterfragen, ob und inwiefern ein Entwurf nach Vitruv „dauerhaft, nützlich und schön“, sein kann. Hierbei geht es nicht darum, Luftschlösser zu entwerfen, sondern vielmehr den Wert von Flexibilität, Ästhetik und Material in Fokus zu rücken und in Dauerhaftigkeit zu übersetzen.
 
KONTEXT
Das Geomatikum kann als Kurzschlussreaktion bezeichnet werden, vergleichbare Solitärbauten in Bezug auf Größe und Erscheinung sucht man in der direkten Umgebung vergebens, das Gebäude ist eine Reaktion auf die damals steigende Anzahl von Studierenden und den folgenden Platzmangel. Der Campus ist geprägt von Riegelsolitären, die augenscheinlich aus der Zeit des Geomatikums stammen. Ein Umgriff über die Grenzen des Campus verrät viel über das ursprünglich gebaute Umfeld und die fehlende Vermittlungsfähigkeit des Bildungsriesen. Das Bild ist geprägt von einer Mischung aus vier- bis fünfgeschossiger Blockrand- und Wohnbebauung sowie kleinen Stadtvillen, welche die historisch gewachsene Stadt im Stadtteil Rotherbaum widerspiegeln. Spannend! Warum?
Weil an diesem Ort Bigness auf Prämoderne trifft und technisches Bauen auf Handwerkliches, ein urbaner Sachverhalt, der nach einem Vermittler schreit. Das Hochhaus über kontextuelle Einbindung zu legitimieren ist ein höheres Ziel, denn radikale Architektur, die ablehnt, wird auch schnell abgelehnt. Vielmehr ist der Mensch als Maßstab in dieser Betrachtung wesentlich, denn es geht darum, wie Stadt– oder in diesem Fall der Campus – erlebt wird. Eine Vielfalt an räumlichen Situationen, Plätzen und unterschiedlichen Nutzungen, die auf den Benutzer ausgelegt sind, sorgen für urbane Qualität. Eine Aktivierung des Geomatikums als zentraler Spieler im Kontext vom Campus und darüber hinaus ist wesentlich, um ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und Urbanität zu vermitteln.
 
FLEXIBLE DAUERHAFTE STRUKTUR
Wesentlich für das Fortbestehen von Architektur ist eine programmatische Flexibilität. Ein Wechsel von Lehre, Forschung und informellen sowie sozialen Veranstaltungen sind zu ermöglichen und kann positive Effekte auf die Universität und das städtische Umfeld haben. Ziel ist also, aus dem neuen Geomatikum ein generisches Gebäude mit einer ruhigen, zeitlosen Gestalt zu erzeugen, die durch Selbstverständlichkeit aus ihrem kontextuellen Ethos spricht und keine Regeneration in Zukunft mehr benötigt. Der expressive Wert der Materialien spielte im Entwurf für uns eine ähnliche Rolle wie die Bildung einer architektonischen Einheit zwischen Sockel und Turm. Eine mögliche Strahlkraft des Hochhauses, welches auch als Landmark mit Leuchtturmwirkung fungiert, schenkt der Universität Hamburg ein über den Campus hinaus strahlendes Gesicht.
Text von Benjamin Pohl und Luca Hopf.