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Januar / Februar 2024

Karlsruhe Institut für Technologie

Die Unvollendete

Vom sinnhaften Weiterbauen einer ehemaligen Molkerei in Karlsruhe

von Lena Schenek

Hochschule:

Karlsruhe Institut für Technologie

Abschluss:

Master

Präsentation:

12.04.2023

Lehrstuhl:

Prof. Christian Inderbitzin, Professur Stadt und Wohnen

Rubrik:

Kulturbauten

Software:

Vectorworks

Vor dem Hintergrund einer niemals und zugleich immer vollendeten Architektur, beschäftigt sich die Arbeit mit dem Weiterbauen einer leerstehenden Molkerei zu Räumlichkeiten der subkulturellen Musik- und Kunstszene in Karlsruhe, welches die Beziehung von Raum und Mensch als multisensorischen Dialog versteht.

Die klassische Form einer Sinfonie besteht aus drei bis fünf Sätzen. Schuberts Sinfonie in h-Moll hat aber nur zwei komplette Sätze und ist deshalb unter dem Namen "Die Unvollendete" in die Geschichte eingegangen. Unvollendet ist sie jedoch lediglich im Rahmen der geltenden Vorstellungen einer Sinfonie. Ihre Funktion als Orchesterwerk ist dennoch gegeben.
Diese Dialektik einer augenscheinlichen Lückenhaftigkeit aber funktionalen Vollständigkeit lässt sich auch auf die Architektur übertragen. Auf diesem Gedanken baut meine Arbeit auf. Architektur ist niemals und gleichzeitig immer vollendet. Unsere gebaute Umwelt ist kein permanenter Zustand, sondern ein Augenblick in ihrer Lebensgeschichte. Architektur wird dauerhaft durch ein Weiterbauen, das bestehende Qualitäten wertschätzt und gleichzeitig Raum lässt für zukünftige Entwicklungen. Als Zeitzeugnis vergangener Geschichten und Bezugspunkt für alltägliche Geschichten wirkt Architektur maßgeblich auf unsere Wahrnehmung ein. Als Gebrauchskunst kann sie nur durch ihr Erleben mit allen Sinnen erfahren werden. Räume können nicht nur visuell, sondern ebenso thermisch, haptisch oder akustisch gebildet werden.
Wie können wir das Erleben von Raum als multisensorischen Dialog mit seinen Nutzerinnen in architektonische Planungen integrieren und damit eine dauerhafte Akzeptanz und Nutzbarkeit des Bestehenden gewährleisten?
Die ehemalige Molkerei-Zentrale Südwest im Nordwesten Karlsruhes steht seit vielen Jahren leer. Nun sollen dort in erster Linie Räumlichkeiten für die lokale subkulturelle Musikszene entstehen. Ergänzt wird das Programm durch Nutzungen, bei denen der Mensch in Interaktion mit dem Raum steht. Dazu gehören Formen der Darstellenden, wie auch der Bildenden Künste.
Text von Lena Schenek.