AUFBAU STATT ABBAU! Initiative gegen das Aus des Studiengangs Architektur in Wuppertal

Wegen Budgetkürzungen muss die BUW einen drastischen Sparkurs einschlagen – insbesondere im Studiengang Architektur. Die studentische Initiative Fundament.tal wehrt sich mit Interventionen und einer Petition gegen die drohende Schließung.

Was passiert, wenn eine Universität sparen muss – und damit eine Disziplin gefährdet? In Wuppertal formiert sich derzeit Widerstand gegen die drohende Schließung des Architekturstudiengangs an der Bergischen Universität Wuppertal (BUW). Studierende, Lehrende und Unterstützer*innen sehen darin nicht nur den Verlust eines Studiengangs, sondern auch eines zentralen Ortes der Baukultur. Die studentische Initiative Fundament.tal kritisiert die Entscheidungen des Rektorats scharf. 

Johanna Teichmann (Fundament.tal) und Anton von der Heyden, Vorsitzender der Fachschaft, erklärten BauNetz CAMPUS, wie sich die Betroffenen gegen das drohende Aus wehren – und warum es nicht allein um Zahlen geht, sondern um Verantwortung für die Zukunft des Bauens.

Kürzungen mit weitreichenden Folgen

Landesweite Sparmaßnahmen an den Hochschulen Nordrhein-Westfalens zwingen jede Universität, mehrere Millionen Euro einzusparen. An der BUW trifft es voraussichtlich besonders den Architekturstudiengang. Für rund zwei Drittel der Professuren, die bis 2032 auslaufen, werden keine Nachbesetzungen vorgesehen – berichtete Fundament.tal basierend auf Angaben des Fakultätsrats. Bereits ab dem kommenden Sommersemester entfalle so beispielsweise eine zentrale Grundlagenprofessur, die die Einführungskurse im Bachelor betreut. Das Berufungsverfahren wurde, wie die Initiative auf einer Vollversammlung erfuhr, vorerst gestoppt. 

Damit steht der Studiengang faktisch zur Disposition: Ohne diese Professur, so die Einschätzung von Initiative und Studierendenschaft, könne keine neue Kohorte Erstsemester mehr aufgenommen werden. „Das ist keine langfristige Schließung – das ist ein schleichender Abbau“, erklärten Johanna und Anton. Die fehlende Transparenz des Rektorats verschärfe die Situation: Erst durch eine öffentliche Sitzung und Berichte in den Medien wäre klar geworden, wie tief die Einschnitte, vor allem im Studiengang Architektur reichen. 

„Wir wollen zeigen, dass wir viele sind“ – die Initiative Fundament.tal

Als Reaktion auf diese Maßnahmen und auf die fehlende Kommunikation gründete sich im September die studentische Initiative Fundament.tal. Sie organisiert Protestaktionen, gestaltet Informationskampagnen, führt Interviews und sammelt Unterstützer*innen. „Es gibt keine klare Aussage, wie es weitergehen soll. Wir müssen gleichzeitig für Öffentlichkeit sorgen und versuchen, überhaupt verstanden zu werden“, so Johanna. Sichtbar wurde ihr Engagement u. a. beim Aktionstag auf dem Campus Haspel, wo Studierende Modelle zerstörten und symbolisch „begruben“ – ein Protestzug unter dem Motto „Aufbau statt Abbau“. 

Eine Petition, die seit dem 5. November läuft, erhielt bereits Tausende Unterschriften, darunter von namhaften Akteur*innen aus der Architekturdisziplin und Hochschule. In der Petition warnt die Initiative vor den baukulturellen, ökologischen und sogar ökonomischen Folgen: Der Abbau gewachsener Strukturen führe langfristig zu Kompetenz- und Wissensverlusten, die sich später nur mit erheblichen Mehrkosten wieder aufbauen lassen würden.

Über Social Media, Pressearbeit und Demonstrationen will Fundament.tal Aufmerksamkeit schaffen. Das Ziel: den Architekturstandort Wuppertal zu erhalten. Ihr Appell richtet sich an das Rektorat sowie an das Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW – mit der Forderung, die Entscheidung zurückzunehmen und ein strukturell tragfähiges Konzept für den Fortbestand des Studiengangs zu entwickeln.

Unterstützendes Netzwerk: Architektur als Verantwortung 

Unterstützung erhält die Initiative von bundesweiten Netzwerken wie dem Hochschulnetzwerk „Gemeinsam für die Bauwende“, gegründet von Architects for Future. In einem offenen Brief sprach sich das Netzwerk entschieden gegen die Schließungspläne aus:

„Wer es ernst mit ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit meint, darf die Architekturausbildung nicht schwächen, sondern muss sie stärken und weiterentwickeln.“ Die BUW sei „eine entscheidende Stimme im Nachhaltigkeitsdiskurs“. Mit Forschung zu ressourcenschonendem Bauen, Praxisprojekten und internationaler Sichtbarkeit – etwa beim Solar Decathlon Europe oder dem Living Lab NRW – setze sie Maßstäbe für eine zukunftsfähige Baukultur. Die Schließung widerspreche daher dem „Leitbild der Universität, die Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu ihren Kernaufgaben zählt“. Weiter heißt es: „Wenn es einen Ort gibt, der eine starke Architekturfakultät braucht, dann ist es Wuppertal.“

Das Netzwerk warnt davor, den Studiengang ausgerechnet in einer Stadt aufzugeben, die sich in den letzten Jahren zu einem Reallabor urbaner Transformation entwickelt habe. Die Architekturausbildung dürfe nicht dem Rotstift zum Opfer fallen, sondern müsse gerade jetzt als Motor einer zukunftsfähigen Baukultur gestärkt werden. 

Anmerkung der Redaktion

Wir, die BauNetz-CAMPUS-Redaktion, haben bereits eng mit der BUW und ihren Lehrenden kooperiert, etwa bei der Sommerschule „Wert der Dinge“ 2024. Dabei wurden wir selbst zu Nutzer*innen und Bewohner*innen des Living Labs und erlebten die Transformationsprozesse der Stadt praxisnah. Die Sommerschule stieß bei unseren rund 30 Teilnehmer*innen auf große Resonanz und bewies, wie wertvoll Wuppertal als Lernraum ist. Projekte wie die Utopiastadt, der BOB Campus sowie das Wuppertal Institut stehen bundesweit für innovative Ansätze in der Verbindung von Stadtentwicklung, Klima und sozialem Wandel.

Wuppertal ist ein Vorbild für eine verantwortungsvolle Architekturausbildung. Den Standort zu erhalten, bedeutet, diesen Anspruch an Lehre und Baukultur zu sichern. Wir unterstützen daher den Slogan „Aufbau statt Abbau“ und die Haltung gegen eine drohende Schließung des Studiengangs. Denn, wie Fundament.tal in ihrer Petition betont, geht uns das alle was an: 

„Was in Wuppertal droht, könnte andernorts zum Modell werden – mit der Folge einer verengten, ökonomisierten Hochschullandschaft, in der Vielfalt, Verantwortung und gestalterische Intelligenz keinen Platz mehr haben.“