Im Institut wohnen: Das Studio „BACK TO THE FUTURE“
Aus Laboren, Hallen und Büros wird Wohnraum: Studierende transformieren ein Institut der 1950er-Jahre.
Im Filmklassiker „Back to the Future“ springt Marty McFly zwischen Vergangenheit und Zukunft hin und her. Gebäude können aber nicht mit einer fiktiven Zeitmaschine reisen. Sie bleiben in der Zeit verankert, für die sie entworfen wurden. Auch das Institut für Elektrotechnik der TU München trägt noch die Zukunftsbilder der 1950er-Jahre in sich. Im Studio BACK TO THE FUTURE am Lehrstuhl für Entwerfen, Umbau und Denkmalpflege der TU München untersuchten Studierende im Wintersemester 2025/26, wie sich dieser Institutsbau in Wohnraum übersetzen lässt und kamen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.
Ein Institut als Wohnhaus?
Analysen aus dem Jahr 2024 zufolge stehen in München rund 1,5 Millionen Quadratmeter Bürofläche leer, während etwa 10.500 Wohnungen fehlen. Deshalb rückt der Bestand stärker in den Fokus – in diesem Fall der Hochschulbestand. Gustav Hassenpflug entwarf 1956 das Institut für Elektrotechnik als Ensemble aus Kubus, Verbindungsbau mit Hörsaal und Maschinenhalle. Die Struktur diente Forschung und Lehre, stößt heute aber auf klare Grenzen, wenn sie Wohnraum integrieren soll: tiefe Grundrisse, große Hallenräume und technische Einbauten entsprechen nicht den Anforderungen des Wohnens.
Projekte wie „Campus as Commons“ an der TU Berlin testen derzeit Wohnnutzungen im Hochschulbestand. Während dort temporäre Lösungen im Fokus stehen, interessiert das Münchner Studio stärker die Frage, wie sich Architektur selbst verändert, wenn sie neu genutzt wird.
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Wie bringt man also ein Gebäude aus der Zukunft von gestern in die Zukunft von morgen? Zuerst untersuchten die Studierenden Ziegelfassade, Hallenstruktur und die tiefen Grundrisse. Sie prüften, wie Tageslicht in die Maschinenhalle fällt und welche Rolle technische Einbauten im Raumgefüge spielen. Aus diesen Beobachtungen entwickelten sie ihre Eingriffe. Somit entstanden Wohnstrukturen aus konkreten Bauteilen heraus und nicht aus einem vorab definierten Wohnprogramm.
Zwischen Eingriff und Erhalt
Die Projekte arbeiten mit derselben Ausgangsstruktur, liefern aber stark unterschiedliche Ergebnisse – von minimalen Eingriffen bis zu tiefen Umbauten.
Eine Gruppe legt dem Kubus eine neue äußere Erschließungsschicht vor. Stützen und Geländer umhüllen das Gebäude, es entstehen neue Zwischenräume. Der Bestand bleibt sichtbar, verliert aber seine geschlossene Hülle. Andere Entwürfe orientieren sich näher am Bestehenden. Betondecken und Stützen bleiben erhalten, neue Einbauten aus farbigem Material setzen sich bewusst davon ab. Öffnungen in den Innenwänden verändern die Raumstruktur, ohne sie aufzulösen. Ein dritter Ansatz greift deutlich stärker ein: Ein Atrium durchschneidet den gesamten Kubus. Balkone erweitern die Fassade, während ein Rechenzentrum Wohnen und technische Infrastruktur verschränkt. Auch die Maschinenhalle wandelt sich. Eine Gruppe nutzt sie als Sport- und Gemeinschaftsraum und erhält Tragwerk, Ziegelwände und Raumhöhe nahezu vollständig.
Wohnen braucht nicht jeden Quadratmeter
Die Wohnnutzung verändert den Bestand im Studio nicht vollständig, sondern ist Teil eines größeren räumlichen Systems. Damit stellt sich eine selten diskutierte Frage: Muss jede freie Fläche zu Wohnraum werden? Die Entwürfe reagieren darauf mit einem klaren Nein. Sie lassen bewusst Bereiche außerhalb des Wohnens zu und kombinieren private Wohnräume mit Gemeinschaftsflächen.
Das Institut für Elektrotechnik steht damit exemplarisch für viele Gebäude, deren ursprüngliche Zukunft nicht mehr trägt. Solche Bauten müssen nicht zwischen Erhalt und Abriss feststecken. Sie lassen sich weiterdenken und weiterbauen – mit wenigen Eingriffen oder mit tiefen Veränderungen. So könnten sie den Sprung in eine neue Zeit schaffen – wie Marty McFly, nur ohne Zeitmaschine.