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Mai / Juni 2024

Leibniz Universität Hannover

Reuse:Rain

Wasserinfrastruktur als urbane Oase

von Malin Osterheider

Hochschule:

Leibniz Universität Hannover

Abschluss:

Master

Präsentation:

21.02.2024

Lehrstuhl:

Institut für Entwerfen und Gebäudelehre - Abteilung Baukunst, Prof. Turkali

Rubrik:

Freizeit- und Sportbauten

Software:

Archicad, Lumion, Adobe Photoshop und Indesign

Wasserknappheit ist ein drängendes Problem, das Regionen auf der ganzen Welt betrifft. Deutschland bildet hier keine Ausnahme, obwohl es immer als Land mit zahlreichen Wasserressourcen gegolten hat. Insgesamt haben wir in den letzten 20 Jahren durch den Klimawandel und unsere Infrastruktur rund 2,5 Mio. km³ Wasser jährlich aus unserem natürlichen Haushalt verloren, wodurch Deutschland zu den weltweiten Spitzenreitern gehört.

Folglich steht die Wasserversorgung vor neuen, erheblichen Herausforderungen. Dies wird in Deutschland auch dadurch begünstigt, dass in eine Infrastruktur errichtet wurde, die den Abfluss von Wasser begünstigt. So sind Städte durch ihre hohe Versieglungsdichte besonders von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen.

Im Durchschnitt besteht Klärwasser in öffentlichen Kläranlagen in Deutschland durchschnittlich zu über 25% aus Regenwasser, dies entspricht rund 2500 Milliarden Kubikmeter verlorenem Regenwasser jährlich nur durch unsere Infrastruktur.
Aus diesem Grund möchte ein Zentrum für Regenwasser als aktiven Stadtbaustein etablieren, der als Vorbild im Umgang mit der Wiederverwendung von Wasser voran geht und vor allem den Wert des Wassers inszeniert:

Introvertierten Wasserflächen wie Wasseraufbereitungs- und Speicherbecken treffen so auf ein Naturbadehaus als extrovertiertes Element. So wird das gereinigte Regenwasser in einem Kreislaufsystem Badebecken zugeführt und direkt vor Ort wiederverwendet. Die Besucher und Besucherinnen verfolgen dadurch nicht nur die Reinigungsschritte des Regenwassers, sondern sie werden Teil des Prozesses und können die Qualität des aufbereiteten Wassers im letzten Schritt am eigenen Leib erfahren.

Der Projektstandort befindet sich in Stuttgarts Osten. Stuttgart ist dabei allein durch seine geografische Lage stärker von klimatischen Veränderungen betroffen als andere deutsche Großstädte. Die Vulnerabilität gegenüber klimatischen Veränderungen wird jedoch noch einmal durch die Topografie der Stadt verstärkt. So befindet sich Stuttgarts Zentrum in Mitten eines Talkessels, sodass Starkregenereignisse eine besondere Gefahr darstellen und ein Umdenken im Umgang mit Regenwasser erfordern. Zu diesem Zwecke möchte ich einen historischen, ungenutzten Trinkwasserspeicher reaktivieren, der sich unterirdisch auf einer Anhöhe am Urachplatz befindet. Der unterirdische Baukörper steht dabei sinnbildlich für die unsichtbare Wasserinfrastruktur in der Stadt.
Oberirdisch weißt folglich nur wenig auf die unterirdische Welt hin. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen drei neue Körper zu platzieren, die die Grünfläche neu gliedern und im Zusammenspiel mit den Bestandsgebäuden neue Räume aufspannen, gezielte Sichtachse generieren und Blicke leiten. Außerdem ist den drei Kuben jeweils ein Hof zugeordnet, der die verborgene Infrastruktur freilegt, diese belichtet und die Kommunikation zwischen oben und unten ermöglicht.

Text von Malin Osterheider.