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Mai / Juni 2024

Universität Stuttgart

Verhüllte Öffentlichkeit

Ein Zentrum für Kunst und Kultur im Teheran

von Mehrnoosh Salehi

Hochschule:

Universität Stuttgart

Abschluss:

Master

Präsentation:

19.12.2023

Lehrstuhl:

Institut für öffentliche Bauten und Entwerfen, Prof. Dipl.-Ing. Alexander Schwarz

Software:

Vectorworks, Rhino, Enscape, Adobe Photoshop, Adobe InDesign

Die Ambivalenz des Lebens im Iran bildet das Kernstück meines Konzeptes. Seit der islamischen Revolution im Jahr 1979 hat sich das Verhältnis zwischen der Autorität des Regimes und dem öffentlichem Raum stark verändert, was die heutige Ambivalenz des Lebens geprägt hat. Iraner führen ein Leben in der Öffentlichkeit und gestalten gleichzeitig ihr privates Leben hinter verschlossenen Türen. Ziel meiner Masterarbeit ist es, diese Ambivalenz durch die Schaffung eines Kultur- und Kunstzentrums aufzuzeigen und durch Architekturdiskurs als ein bedeutendes Argument, politische und gesellschaftliche Angelegenheiten widerzuspiegeln. Der Entwurf soll als Brücke zwischen der öffentlichen und privaten Sphäre in einer sich wandelnden Gesellschaft dienen, die sich seit September 2022 mit dem Beginn der Protestbewegung ?Frau, Leben, Freiheit? in einer Übergangsphase befindet.



Der Fokus des Entwurfs liegt auf der Vorstellung einer Übergangstypologie für ein öffentliches Gebäude im Iran. Mit dem vorgeschlagenen Entwurf bringe ich die bereits im privaten abgehaltenen Aktivitäten und Interessen in einem öffentlichen Kontext, jedoch auf eine Art und Weise, die den Menschen weiterhin das Gefühl der Sicherheit und des Schutzes geben. Wie ein Eventraum oder Versammlungsraum. Diese Schwellensituation und der Prozess des langsamen Wandels sind wichtige Bestandteile meines Entwurfs. Es entsteht ein Paradoxon aus öffentlich zugänglichen Räumen und gleichzeitig verborgenen, geschützten, mysteriösen Räumlichkeiten, bei welchen die Ablesbarkeit von außen nicht gegeben ist. Um den Prozess des Wandels der Öffentlichkeit in der Architektur zu übersetzen, gibt es eine Schichtung der Öffentlichkeiten vom Erdgeschoss Niveau bis hin Tief in der Erde.



Das bereits ausgehobene Entwurfsgrundstück befindet sich Zentral im Teheran am Laleh Park, ein Viertel, das in den vergangen Jahren gentrifiziert wurde. Die Lage des Entwurfs stellt die Schwelle zwischen Parklandschaft und urbanen städtischen Gefüge dar. Um die Schwellenposition hervorzuheben, wird das Grundstück an den zwei Straßen durch diesen langen Gebäudeblocken gefasst, während es zum Park hin offenbleibt. Verborgen in der Tiefe liegen die unterirdischen Räume, die durch einen zentralen Kern in Form eines Innenhofes miteinander verbunden sind.
Der öffentliche Charakter des Gebäudes wird betont durch die Durchläufigkeit des Gebäudes auf Erdgeschossniveau. Auf der Straßen zugewandten Seite, durch den markante offenen Arkadengang, als Erscheinungsbild des Projektes und auf der Parkseite durch eine Rampe, die die Besucher in das Grundstück leitet. Hauptnutzung im L-Köper sind Ausstellungs- und Galerieflächen, welche durch unterschiedliche Raumhöhen mit Schatten und Licht spielen. Somit wird mit der atmosphärischen Wahrnehmung gespielt.

Die Konstruktion des Gebäudes zeichnet sich durch Mauerwerkskonstruktion und Stahlbeton-Rippendicken aus, während die Wandstruktur einiger Pavillons aus einer perforierten Ziegelmauern besteht.

Text von Mehrnoosh Salehi.