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Mai / Juni 2024

MSA münster school of architecture

Klappe, die Zweite - Licht an, Film ab!

Leerstehende Lichtspielhäuser - kulturell geprägte Orte als Potenzial des Bestandes und Aufwertung schrumpfender Regionen

von Anneke Gerdes

Hochschule:

MSA münster school of architecture

Abschluss:

Bachelor

Präsentation:

29.09.2023

Lehrstuhl:

Baukonstruktion, Prof. i.V. Dipl.-Ing. Christoph Achterkamp

Rubrik:

Kulturbauten

Software:

ArchiCAD, Adobe Ps, Ai, Id

Der demografische Wandel, die Landflucht und der damit verbundene Abbau sozialer Infrastrukturen hinterlassen leerstehende, dringend sanierungsbedürftige Gebäude, die ganze Dörfer verfallen lassen. Den Bewohner*innen dieser so genannten schrumpfenden Regionen fehlt es an Orten, an denen sie sich treffen und sozialisieren können. Es braucht Orte der Begegnung für eine Gemeinschaft und die Entwicklung eines Zusammengehörigkeitsgefühls! Solche Orte tragen dazu bei, Rassismus zu bekämpfen, kreative Kräfte zu fördern und Isolation zu verhindern. Kulturell geprägte Orte können durch Wiederbelebung zu Symbolen des "neuen Lebens" in schrumpfenden Städten werden. Leerstehende Kinos haben genau dieses Potenzial und können für die Gesellschaft wieder zu Symbolen des fröhlichen Miteinanders werden.

Die Stubnitzer Lichtspiele, ein altes Kino im Zentrum von Sassnitz auf Rügen, stehen seit 20 Jahren leer. Ein Ort, der bei den Sassnitzer*innen Erinnerungen an die vielen Begegnungen im Kino, an Hochzeiten oder das Tanzen zwischen den Säulen in ihrer Jugendzeit weckt. Das Gebäude verfällt zunehmend - innen, so wie außen.

Mit der Revitalisierung des Kinos als "neuer" Treffpunkt, sollen kulturelle Räume geschaffen werden. Ziel ist es, jedem die Möglichkeit zu geben, niederschwellig an kulturellen, sozialen und kreativen Veranstaltungen teilzunehmen, wobei das Erdgeschoss als erster Treffpunkt fungiert.
Eine Gemeinschaftsküche lädt zum gemeinsamen Kochen ein, Kinovorhänge ermöglichen es, die "Säulenhalle" in verschiedene Räume mit unterschiedlicher Nutzung zu unterteilen - so können zum Beispiel kleine Lesungen, der Jugendclub, der Strickclub oder ein Arbeitstreffen gleichzeitig stattfinden oder bei vollständig geöffneten Vorhängen entsteht eine Markthalle. Barrierefreie Anpassungen ermöglichen die Nutzung des Gebäudes für alle.
Der vorhandene Zuschauerraum im 1. OG bietet Platz für 500 Zuschauer und liegt damit weit über dem heutigen Bedarf vor Ort. Basierend auf dem vorhandenen Tragsystem des Saals bilden Stahlstützen ein Gerüst, das die Höhe des Raumes betont und ein statisches Gerüst schafft, das Offenheit für Veränderungen und Erweiterungen zulässt. Es ermöglicht den Zugang zum bisher ungenutzten Dachgeschoss und zu den Seitendächern, macht bisher verborgene Räume erlebbar und trennt den Saal. Gleichzeitig markiert das Gerüst eine neue Zugangs- und Richtungsachse im Gebäude, bricht mit der Achsensymmetrie und lässt eine "Gegenbühne" als Kulisse für Theaterstücke entstehen.
Die Eingriffe in das bestehende Gebäude sind als Anpassung an die heutigen Anforderungen zu verstehen. Sie sollen sowohl in Material als auch in Farbe ablesbar bleiben. Die Fuge bildet ein Gesamtensemble mit dem bestehenden Gebäude. Rote Stahlprofile markieren die Stellen, an denen die Tragfähigkeit unterstützt werden muss. Als neue Zeitschicht sollen sie neben den alten ablesbar sein und für zukünftige Veränderungen anpassbar und erweiterbar bleiben.

Text von Anneke Gerdes.